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Ein Festsaal für die Festung

Nordenham. Sie muten an wie ein gelandetes Raumschiff, wie ein Containerturm mit Panoramafenstern oder wie eine bewohnbare Brücke: die Entwürfe von Architekturstudenten für eine Bebauung der Weserinsel Langlütjen II. Der Eiland-Eigentümer Jens-Torsten Bausch stellte einige der Entwürfe nun im Nordenhamer Rathaus vor.

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Eine Art Turmbau zu Langlütjen sieht dieser Architekten-Entwurf vor.

Jens-Torsten Bausch hat die Insel mit der Festungsruine aus dem vorvergangenen Jahrhundert vor vier Jahren gekauft. Sein langfristiges Ziel: das Baudenkmal auf der Insel erhalten, die Geschichte des Monuments durch eine Art Dauerausstellung aufarbeiten und Langlütjen II Touristen und Forschern dauerhaft zugänglich machen. Nachdem die Insel in den vergangenen Jahren gegen den Blanken Hans gesichert worden und die ursprüngliche Eindeichung größtenteils wiederhergestellt worden ist, gehen die Pläne nun dahin, ein Gebäude zu errichten.

Vor den Mitgliedern des Bau-und Wirtschaftsausschusses des Stadtrates berichtete der Bremer Kaufmann von seiner Vision. Er habe sich über die Festungsruinen Fort Kugelbake in Cuxhaven und „Grauer Ort“ bei Stade informiert, die touristisch fast nicht erschlossen und nicht kostendeckend seien. „Bei uns soll das anders werden, Langlütjen soll bewohnbar werden“, sagt Jens-Torsten Bausch. Sein Anliegen sei es, die Insel zu restaurieren und mit der Erschließung das nötige Geld für den Erhalt zu verdienen. „Wir brauchen kein Kulturdenkmal erschaffen, wenn die Leute es nicht betreten dürfen.“

Ein Museumsbereich, ein Labor für Naturforscher, Gastronomie und vielleicht sogar ein Versammlungssaal für bis zu 300 Besucher schweben ihm vor. Dort könnten dann auch kulturelle Veranstaltungen stattfinden.

„Ich habe mich mit dem Nordenhamer Bürgermeister unterhalten. Herr Francksen ist sehr kreativ und hat gute Hinweise gegeben, die aber noch in der Machbarkeitsüberprüfung stecken“, verriet der Inselbesitzer.

Kreativ sind auch die Architektur-Studenten der Technischen Universität Braunschweig. Sie haben in Bauschs Auftrag Ideen entworfen, wie eine Bebauung des Eilands aussehen könnte. Dabei kamen die unterschiedlichsten Ansätze zum Tragen. „Einige haben Wohntürme entworfen, die die Festungsanlage nahezu unberührt lassen“, erläutert Jens-Torsten Bausch. Andere wiederum hätten die Wehranlagen aus dem 19. Jahrhundert in ihre Entwürfe einbezogen. Der Vorschlag eines koreanischen Studenten kam am besten an. Er verlagert die komplette neue Bebauung in das Fort, so dass man der Insel von außen ihr modernes Innenleben nicht ansieht. Bausch: „Die Vorschläge weichen von dem ab, was ich vor Augen hatte, aber Künstler sehen das nun einmal anders.“

Ausstellung beim Kunstverein

Die Entwürfe des Architekten-Nachwuchses, kündigt Jens-Torsten Bausch an, sollen als Skizzen und Modelle ab 19. April in den Räumen des Kunstvereins Nordenham im Alten Rathaus ausgestellt werden.

Ob und in welcher Form eine Bebauung der Insel überhaupt zulässig ist, darüber ist noch nicht entschieden. „Die Insel liegt im Wattenmeer und ist auch noch denkmalgeschützt. Und die Behörden arbeiten konträr“, klagt der Insel-Eigentümer. „Die einen wollen, dass alles erhalten wird, die anderen wollen die Insel als Vogelschutzgebiet verwildern lassen.“

Der Leiter des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer, Peter Südbeck, kündigt an, die Pläne des Bremer Kaufmanns genau zu prüfen. „Die Insel liegt in der Zwischenzone des Schutzraumes Wattenmeer. Da gibt es strenge Regeln. Die Oberfläche darf nicht verändert werden. Würde man beispielsweise Versorgungsleitungen ins Watt legen, würde das einen Eingriff bedeuten“, sagte Peter Südbeck auf Nachfrage der Kreiszeitung.

Ein weiteres Problem: Wie kommen die Gäste auf die Insel? Jens-Torsten Bausch berichtete den Ratsmitgliedern, er habe mehrere Möglichkeiten wie Schiff, Hubschrauber und Brücke überlegt. Aber auch die visionäre Idee der Beförderung per Seilbahn sei noch nicht verworfen.

Nordenham ist als Baubehörde zuständig für Langlütjen II. Politisch verantwortlich ist aber die Landesbaubehörde in Hannover. Darum gestand Jens-Torsten Bausch: „Als Einzelkämpfer ohne politische Rückendeckung werde ich in Hannover keine Chance bekommen, das Projekt zu realisieren.“ Darum sparte er auch nicht mit Lob für die Nordenhamer Politiker: „Ich bin hier positiv aufgenommen worden und glaube, dass ich hier richtig sitze.“ Hans Francksen dazu: „Wir sollten den Mehrwert für die Region sehen.“ (flo)

Artikel vom 13.03.10 - 06:00 Uhr
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