„Es ist eben eine Ausnahmesituation“, sagt Karl-Heinz Röben, für Schulen zuständiger Dezernent beim Landkreis Wesermarsch. Trotzdem fragten sich viele Eltern, warum die Entscheidung nicht früher getroffen wurde, schließlich hat sich das Wetter von Donnerstag auf Freitag nicht geändert. Es taute, und die festgefahrene Schneedecke in den Nebenstraßen hat sich in eine Eisbahn verwandelt.
In der Wesermarsch ist in der zurückliegenden Woche an drei aufeinander folgenden Tagen die Schule ausgefallen. Gut möglich, dass die Wetterverhältnisse auch in der kommenden Woche einen Schulbesuch verhindern. Für Sonntag ist bereits wieder starker Frost angesagt. Wenn bis dahin nicht alles abgetaut ist, wird der angetaute Schneematsch wieder frieren.
Für Irritation bei Schülern und Eltern hat auch die unterschiedliche Informationspolitik der Landkreise im Nordwesten über den Schulausfall gesorgt. Während einige Landkreise schon am Mittag die Schule für den nächsten Tag abgesagt hatten, warteten andere damit bis zum späten Abend. Das solle vereinheitlicht werden, sagt Karl-Heinz Röben. Vor 20 Uhr am Vorabend solle keine Entscheidung getroffen werden, betont er.
Während Schüler winterfrei bekommen, sind die Lehrer gehalten, zur Schule zu kommen – wie andere Arbeitnehmer auch. Wenn Eltern ihr Kind trotz der widrigen Verkehrsverhältnisse zur Schule bringen möchten, weil sie keine andere Betreuungsmöglichkeit haben, dann dürfen sie das. Das hat Niedersachsens Justizministerin Elisabeth Heister-Neumann jetzt noch einmal deutlich gemacht. „Wer sein Kind zur Schule schickt, braucht nicht zu befürchten, dass es vor verschlossenen Türen steht“, betont sie. Die Lehrkräfte würden für eine Betreuung sorgen.
Nicht nur für die Schulen ist dieser seit mittlerweile acht Wochen andauernde Winter eine Ausnahmesituation. Weil die Stadt in den Nebenstraßen den Schnee nicht weggeräumt hat, haben sich diese in den vergangenen Tagen in extrem gefährliche Eispisten verwandelt. Auch wenn die Gehwege von den Anwohnern gestreut sind – spätestens beim Überqueren der Straße wird es brenzlig.
Kritik in Richtung Stadt hagelte es gestern beim Wochenmarkt – sowohl seitens der Kunden als auch der Händler. Der Bauhof hatte zwar Granulat gestreut, aber das wurde schnell in das weiche Eis gedrückt. Mehrere Leute stürzten. Einige Händler schlugen die Eisplacken auf eigene Faust weg, andere streuten nach. „Die Stadt muss da mehr tun“, sagte etwa Eierhändler Ewald Onken. „Schließlich ist Wochenmarkt.“ Der wurde für die Besucher gestern zum Eiertanz auf eisigem Parkett. (hei)
