
„Wir stehen jetzt Gewehr bei Fuß“, sagt Norbert Kraeße, der als Leiter des Amts für Baumanagement für den Union-Pier zuständig ist. Laut aktuellen Vorhersagen sollen die Temperaturen noch bis Sonntag unter dem Nullpunkt bleiben. Es wird sich also noch mehr Eis bilden. In den vergangenen Jahren war das für den Pier eigentlich kein Problem, denn die Pfeiler haben Feststellpunkte, an denen der Ponton bei Hochwasser fixiert werden kann, so dass das Eis sich bei Niedrigwasser darunter hindurch bewegen kann. Allerdings geht der Frost der letzten Tage mit starken Ostwinden einher. Die Folge laut Norbert Kraeße: „Das Hochwasser läuft gar nicht erst so hoch auf, dass wir die Haltepunkte überhaupt erreichen könnten. Im Moment würde uns da noch die Springtide helfen“, erklärt der Amtsleiter. „Die aktuelle Konstellation von Mond und Erde bewirkt für gewöhnlich besonders starke Tidenhübe.“
Derzeit herrscht noch genügend Bewegung zum Fahrwasser hin, und auch zwischen Ponton und Ufer sind noch eisfreie Bereiche auszumachen. Ein großer Eisdruck baut sich so noch nicht auf. Doch zwischen dem Ponton und dem Anleger des Ruderclubs hat sich bereits eine durchgehende Eisschicht gebildet. „Gestern Mittag wäre ich noch jede Wette eingegangen, dass das Problem gar nicht auftritt“, sagt Norbert Kraeße. „Aber in der augenblicklichen Situation kann da noch alles Mögliche passieren.“ Die Behörde behält die Eissituation am Pier jetzt genau im Auge.
Mit ernsthaften Schäden rechnet der Amtsleiter nicht. Auch wenn der Ponton sich in den nächsten Tagen nicht in die Feststell-Position heben sollte, wäre man keineswegs verdammt, dem Eistreiben tatenlos zuzusehen. „Wenn es zu heftig wird, können wir das Eis auch noch mit einem Bagger von der Landseite her aufbrechen“, erläutert Norbert Kraeße. „Aber das ist natürlich teuer und wäre wirklich die letzte Lösung.“
Während die Fähre Sandstedt-Brake ihren Betrieb wegen des Eisgangs eingestellt hat, ist die Weserfähre nicht in Gefahr, auch wenn die Antriebsgeräusche auf der „Nordenham“ zuweilen an einen Eiscrusher erinnern. Größer wäre die Gefahr, dass sich Eis unter dem Anleger sammelt. Laut Jürgen Wißmann, Prokurist der Weserfähre GmbH, sei die Lage aber unter ständiger Kontrolle des Fährpersonals. Am Anleger Bremerhaven falle die Eisbildung wegen des Fahrbetriebs im Geestevorhafen ohnehin geringer aus.
