X Diesen Artikel versenden


Absender-E-Mail*
Empfänger-E-Mail*
Nachricht*

szmtag

Der Kultursender ist gleich wieder von Bord

Elsfleth. Seit Montagmorgen um 7 Uhr ist der Elsflether Dreimast-Gaffelschoner „Großherzogin Elisabeth“ mit Elsflether Seefahrtschülern an Bord zu einem Ausbildungstörn in der Nordsee unterwegs. Weil Kapitän Jens Wilbertz an Bord zu viel zu tun hat, führt Künstlerin Marina Prüfer, die zum ersten Mal auf der „Lissy“ ist, Logbuch für die Kreiszeitung.

bild vergrößern
Die „Lissy“ ist auf dem Weg nach Den Helder in Holland. Foto: Archiv

„Als die ‚Lissy‘ um 7 Uhr ihren Heimathafen Elsfleth verlässt, träume ich in meiner Koje, wache aber bei laufendem Motor an der Huntemündung zur Weser auf. Mit Zeichenstift und Papier bewaffnet geht’s bei lauen Lüftchen los. Erste Tagesskizzen entstehen. Unser Tagesziel lautet: Artig das Kamerateam des Fernsehsenders Arte zu beeindrucken. Das gelingt der ‚Lissy‘-Crew auf Anhieb und ohne Probe.

Selbst der Chef, Kapitän Jens, hat sich das Hemd mit den Schulterklappen – hier Frühstücksbretter genannt – und seinen Schlips richtig angezogen. Alle sind begeistert. Ich bin von der Hilfsbereitschaft entzückt, schaue den Männer und Frauen beim Auftakeln der ‚Großherzogin‘ zu und dokumentiere mit meinen Zeichenstift.

Wir steuern Bremerhaven an. In Windeseile und nach vielen Hau-rucks strahlen die Augen der Mitsegler. Das Arte-Team verlässt nach einem ‚Ganzen Schlag‘ – dem Mittagessen, mit Suppe, Hauptgericht und Nachspeise – das Schiff. Der Kameraassistent kann es kaum erwarten und springt unaufgefordert an Land, während die Studenten noch die Gangway installieren. Das gibt eine Rüge…

Nachdem ein vom Schiff gefallendes Radargerät in Bremerhaven gekauft und ersetzt wurde, steuern wir Den Helder in Nordholland an. Die Sonne scheint, unser Wetterfrosch hat also Recht behalten. Heinz-Werner Kurth, an der Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven Dozent für Kosten und Rechungswesen, ist zufrieden und lobt die Studenten.

Kapitän und Dozent Jens Wilbertz hingegen gibt die Parole heraus: Nicht zu meckern ist Lob genug. Er verteilt Instruktionen und Aufträge, packt selbst mit an und motiviert die Studenten dazu, ihre Aufgaben zu delegieren. Zum Halben Schlag (Abendessen) haben wir das offene Meer erreicht. Ich habe viel gezeichnet und genieße es, als die ‚Großherzogin‘ beginnt, ordentlich zu stampfen und zu rollen. Erste Besatzungsmitglieder fallen aus, angehende Kapitäninnen übergeben sich, selbst Zwieback kommt nicht mehr in Frage. Ich ziehe es vor, im Frischen zu sein und gehe auf die Brücke – bis auch ich vom Abendessen befreit werde.“

Artikel vom 14.10.09 - 06:00 Uhr
| drucken | versenden