Erst drei Monate ist es her, dass der EADS-Konzern den beabsichtigten Verkauf des Werks als „neue Zukunftsperspektiven für ASL“ deklarierte. Die langfristigen Aussichten für ASL seien trotz momentan guter Auslastung problematisch, hieß es. Als Grund wurden der Rückgang des Geschäfts im Tornado- und Transall-Programm und der steigende Druck zu effizienteren Produktionsabläufen in der Komponentenfertigung für den A 400M und den Eurofighter genannt. Daran hat sich nach Angaben eines Unternehmenssprechers seitdem nichts geändert.
Ein anderes Vorhaben, das von Anfang an Bestandteil des „Zukunftsplanes“ für ASL war, scheint dagegen kurz vor dem Abschluss zu stehen, die Übernahme der Grundstücke und Gebäude von ASL durch SGL Rotec. Nach Angaben von EADS und ASL-Betriebsrat soll der Kaufvertrag schon in Kürze unterzeichnet werden. Die Idee, dass die SGL Rotec einem Großteil der ASL-Mitarbeiter im Gegenzug neue Arbeitsplatzangebote unterbreiten sollte, wurde dagegen offenbar weitgehend aufgegeben.
Der ASL-Betriebsrat ging von Anfang an davon aus, dass die meisten Kollegen weiter als Flugzeugmechaniker arbeiten wollen und im Falle einer ASL-Schließung lieber die in Aussicht gestellte Übernahme an einen anderen EADS-Standort in Kauf nehmen würden als einen Wechsel zu Rotec. Jetzt heißt es, dass mindestens 40 ASL-Mitarbeiter „auf freiwilliger Basis“ in die Rotorblattherstellung bei SGL Rotec wechseln sollen. Dass in der Betriebsversammlung weiterhin die Rede vom „Zukunftskonzept Lemwerder“ war, kam bei den ASL-Mitarbeitern besonders schlecht an, berichtet Betriebsratschef Friedhelm Neumann: „Das ist kein Zukunftskonzept, sondern ein Schließungskonzept.“ Der Geschäftsführung gehe es nur um eins, „den Standort unbedingt zu schließen.“ Die Emotionen gingen bei der Belegschaft entsprechen hoch. „Die Leute machen sich Sorgen um ihre Existenz.“
