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Zukunftsperspektive: Werksschließung

Lemwerder. Die EADS Defence & Security macht ernst mit ihren Schließungsplänen für das ASL-Werk in Lemwerder. Geht es nach dem Willen der Konzernleitung, gehen dort Ende des Jahres die Lichter für immer aus. Die 60 Mitarbeiter der Verwaltung sowie die 50 Zeit- und Leiharbeiter bangen nun um ihre Jobs.

Erst drei Monate ist es her, dass der EADS-Konzern den beabsichtigten Verkauf des Werks als „neue Zukunftsperspektiven für ASL“ deklarierte. Die langfristigen Aussichten für ASL seien trotz momentan guter Auslastung problematisch, hieß es. Als Grund wurden der Rückgang des Geschäfts im Tornado- und Transall-Programm und der steigende Druck zu effizienteren Produktionsabläufen in der Komponentenfertigung für den A 400M und den Eurofighter genannt. Daran hat sich nach Angaben eines Unternehmenssprechers seitdem nichts geändert.

Alternative Nordenham

Inzwischen sei jedoch eine „gute Lösung“ gefunden, die es ermögliche, dass die überwiegende Mehrheit der ASL-Beschäftigen in ihren Luftfahrtberufen weiterarbeiten könnten. Die Pläne sehen vor, die wesentlichen Teile der Produktion im Laufe des Jahres in die Premium-Aerotec-Werke nach Nordenham und Varel zu verlagern. Das Gros der ASL-Mitarbeiter soll ebenfalls dorthin wechseln. Dazu, welche Arbeitspakete an bayerische Konzernstandorte übertragen werden und was aus den verbleibenden ASL-Mitarbeitern wird, wollte sich der Unternehmenssprecher nicht äußern. Der Betriebsrat befürchtet, dass 60 Mitarbeiter der Verwaltung sowie die 50 Leih- und Zeitarbeiter ihren Job verlieren.

Ein anderes Vorhaben, das von Anfang an Bestandteil des „Zukunftsplanes“ für ASL war, scheint dagegen kurz vor dem Abschluss zu stehen, die Übernahme der Grundstücke und Gebäude von ASL durch SGL Rotec. Nach Angaben von EADS und ASL-Betriebsrat soll der Kaufvertrag schon in Kürze unterzeichnet werden. Die Idee, dass die SGL Rotec einem Großteil der ASL-Mitarbeiter im Gegenzug neue Arbeitsplatzangebote unterbreiten sollte, wurde dagegen offenbar weitgehend aufgegeben.

Der ASL-Betriebsrat ging von Anfang an davon aus, dass die meisten Kollegen weiter als Flugzeugmechaniker arbeiten wollen und im Falle einer ASL-Schließung lieber die in Aussicht gestellte Übernahme an einen anderen EADS-Standort in Kauf nehmen würden als einen Wechsel zu Rotec. Jetzt heißt es, dass mindestens 40 ASL-Mitarbeiter „auf freiwilliger Basis“ in die Rotorblattherstellung bei SGL Rotec wechseln sollen. Dass in der Betriebsversammlung weiterhin die Rede vom „Zukunftskonzept Lemwerder“ war, kam bei den ASL-Mitarbeitern besonders schlecht an, berichtet Betriebsratschef Friedhelm Neumann: „Das ist kein Zukunftskonzept, sondern ein Schließungskonzept.“ Der Geschäftsführung gehe es nur um eins, „den Standort unbedingt zu schließen.“ Die Emotionen gingen bei der Belegschaft entsprechen hoch. „Die Leute machen sich Sorgen um ihre Existenz.“

Thümler: „Nicht hinnehmen“

„Das werden wir so nicht hinnehmen“, erklärte der Landtagsabgeordnete Björn Thümler (CDU) und ist sich der Unterstützung von Ministerpräsident Christian Wulff sicher. Der Vorstoß von EADS sei „völlig inakzeptabel“ und „in keiner Weise abgesprochen.“ Auch habe die SGL noch nicht zugestimmt, 40 ASL-Mitarbeiter zu übernehmen. Die Landesregierung unterstütze daher den Alternativvorschlag des Betriebsrates. Dieser sieht Thümler zufolge vor, ASL weitere fünf Jahre zu erhalten. In dieser Zeit hätten die meisten Beschäftigen das Rentenalter erreicht oder könnten über Vorruhestandregelungen aus dem Betrieb „herauswachsen“. Die danach noch verbleibenden ASL-Mitarbeiter könnten zu Premium Aerotec wechseln. Am Freitag will Thümler vor Ort mit der ASL-Belegschaft darüber sprechen.

Artikel vom 17.03.10 - 06:00 Uhr
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