
Vor zwei Jahren hatte die Elsflether Werft das Segelschulschiff der Deutschen Marine, die „Gorch Fock“, für knapp neun Millionen Euro grundüberholt. Bei Wartungsarbeiten Ende Oktober 2011 auf der Kieler Lindenau-Werft hatte sich herausgestellt, dass die 90-Meter-Bark eine leckende Stelle am Rumpf hat. Bei näheren Untersuchungen wurden weitere Korrosionsschäden entdeckt.
Rund 2 Millionen Euro sollte die Reparatur kosten. Die Marine schrieb den Auftrag aus – und die Elsflether Werft bekam den Zuschlag. Sie hatte das preisgünstigste Angebot abgegeben. Die Kieler Lindenau-Werft, die sich ebenfalls um den Auftrag bemüht hatte, ging leer aus. Daraufhin wurde etwa die Hälfte der Belegschaft entlassen, die Kieler Werft ist in der Insolvenz.
Zurzeit liegt die „Gorch Fock“ im Auftrag der Elsflether Werft bei Bredo in Bremerhaven im Dock für die Arbeiten am Rumpf. Am kommenden Dienstag soll sie wieder nach Elsfleth kommen. Dort werden die restlichen Arbeiten ausgeführt. Ende August soll die „Gorch Fock“ dann wieder einsatzfähig sein. Die Marine rechnet inzwischen mit Reparaturkosten in Höhe von rund 8 Millonen Euro.
Unterdessen werden vor allem im Leserforum einer großen Kieler Tageszeitung immer wieder Behauptungen laut, die Elsflether würden einen Schaden reparieren, den sie selbst verursacht hätten. Werftchef Klaus Wiechmann bleibt dabei: „Wir hatten alle Arbeiten auftragsgemäß ausgeführt und sogar noch mehr. So haben wir zum Beispiel zur Isolierung sogar zusätzlich Folie eingebracht.“ Und er betont: „Wir haben es eher besser gemacht als schlechter.“ Inzwischen haben mehrere Gutachter das Schiff untersucht. Das Fazit: Die Elsflether Werft trägt keine Verantwortung. Die Rostschäden seien in anderen als den in Elsfleth reparierten Bereichen aufgetreten. Mit Rost müsse man immer rechnen, denn schließlich ist das Schiff mehr als 50 Jahre alt, sagen Experten.
Dennoch reißen die Gerüchte um angebliche Elsflether Schlampereien nicht ab. In jüngster Zeit wird immer wieder ein Kritiker öffentlich zitiert: Rainer Kersten vom Bund der Steuerzahler. Am 30. Juni sagte er in NDR-Info: „2010 ist das Schiff komplett generalüberholt worden. (...) Nun muss man erkennen, dass das Schiff offenbar im Rumpf vollkommen marode ist.“
Vier Tage später legte Kersten in der Bild-Zeitung nach: „Es besteht der Verdacht, dass auf der Elsflether Werft geschlampt wurde.“ Weitere fünf Tage später kommt Kersten in einer in Oldenburg erscheinenden regionalen Tageszeitung zu Wort: „Wollte oder sollte man bei der Überholung im Jahr 2010 in Elsfleth nicht so genau hingucken?“
Das Interessante daran ist: Kersten spricht für den schleswig-holsteinischen Landesverband der Steuerzahlerbundes mit Sitz in Kiel. Dort hat auch die im Bieterverfahren unterlegene Lindenau-Werft ihren Sitz.
„Bei diesen Anschuldigungen ist weniger technischer Sachverstand im Spiel als vielmehr Politik“, vermutet Werftchef Wiechmann. Und er hat nicht die geringste Befürchtung, dass seine Werft in Regress genommen werden könnte und die rund 100 Arbeitsplätze gefährdet wären: „Selbst wenn wir schuld wären, was aber mehrere Gutachter verneint haben, ist die Werft nicht in ihrer Existenz bedroht. Wir sind entsprechend versichert.“
