
„Wenn man genau hinguckt, ist die Lange Straße immer noch eine schöne Straße.“ Willem Foorthuis überraschte seine Zuhörer in der Berner Kulturmühle und steht mit seiner Einschätzung eventuell ein wenig allein auf weiter Flur. Doch der niederländische Professor vom Shared Space Institute im niederländischen Drachten betrachtet die Berner Verkehrsader nicht aus dem Blickwinkel eines Berners, sondern mit „den Augen eines Ortsfremden“.
So gesehen sei die Bausubstanz immer noch schön. Warum das selten jemand feststelle, erklärt sich Foorthuis mit dem Halteverbot an der engen Ortsdurchfahrt sowie den vielen leerstehenden Geschäften. Diese gäben Autofahrern gar keinen Anlass, zu verweilen. „Weil es verboten ist, anzuhalten, bin ich in 42 Sekunden durch den Ort durch.“ Auch der zwischen alten Häuserfassaden und St. Aegidiuskirche gelegene Breithof könne wiederbelebt werden. „Einen Tag im Jahr ein schönes Fest, dann kommen die Autos wieder.“ Foorthuis und seine Mitarbeiterin Sabine Lutz weilten auf Einladung der Initiative „Berne 2020“ in der Kulturmühle. Gut 100 Berner kamen, um dem Fachmann zu lauschen.
Für die Berner bestehe jedoch kein Anlass, für die Zukunft ihres Ortes schwarz zu sehen, versicherte Foorthuis. Sie hätten es selbst in der Hand, die Lange Straße wieder mit Leben zu erfüllen. Dafür müssten sie aber selbst aktiv und kollektiv an der Gestaltung mitwirken. Es gelte, wieder Menschen auf die Lange Straße und Leben in die leeren Geschäfte zu bringen. Die Berner seien nun gefordert, nach ihrer Identität zu suchen.
Fertige Rezepte konnten Foorthuis und Lutz nicht aus der Tasche ziehen, sagten aber ihre tatkräftige Unterstützung zu. Zum Ende des Workshops fanden sich 20 Personen in drei Arbeitsgruppen, die bis zum nächsten Treffen im September erste Aufgaben erledigen wollen. (joh)
www.berne2020.de.
