X Diesen Artikel versenden


Absender-E-Mail*
Empfänger-E-Mail*
Nachricht*

szmtag

Jüchter ist der Dreh- und Angelpunkt


Elsfleth. Jeder aus Elsfleth und umzu kennt die beiden dicken Türme an der Nordermoorer Hellmer. Klar, das ist das Gelände des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV), genauer gesagt die Rohrnetzbetriebsstelle des Wasserverbandes. Doch ein genauerer Blick verrät: Hier trifft neueste Technik auf Erfahrung. Von Kathrin Weigert


bild vergrößern
Diese drei Trinkwasserpumpen regulieren als Verbindungsstelle zwischen den Wassertürmen und den Kunden daheim das Trinkwasser.

Die Erfahrung kommt zweifelsohne von Georg Jüchter. Jeder der irgendwo zwischen Berne, Lemwerder, Brake, Elsfleth und Ovelgönne in den vergangenen Jahrzehnten ein Haus gebaut hat, kennt das Elsflether Urgestein. Er, der zunächst Gas- und Wasserinstallation gelernt hat, ist seit 1965 beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) und seit 1972 Chef der Truppe an der Nordermoorer Hellmer.

Dieses Team – das sind neben Georg Jüchter und dessen Stellvertreter fünf Rohrnetzhandwerker und einer im Innendienst. Einige von ihnen wohnen direkt auf dem Gelände, aus ihrem Wohnzimmerfenster blicken sie nach Süden über grüne Felder. Es geht familiär zu, der Chef weiß, wie er jeden Einzelnen seiner Leute anzupacken hat.

Das Telefon ist immer besetzt, einer hat stets Rufbereitschaft – Sonntag wie Heiligabend. Denn es muss schnell gehen, wenn irgendwo ein aufgeregter Hausbesitzer anruft, weil er einen Wasserschaden hat. Dann wird das Trinkwasser, das Georg Jüchter als „Lebensmittel Nummer 1“ bezeichnet, zum Gegner. „Es läuft ja immer weiter.“ Schnell muss es gehen, die Männer rücken aus, um die sogenannten Schieber in den Leitungen zu betätigen. Diese sitzen tief unter der Erde und werden über ein Gestänge bedient. Erst dann, wenn der Wasserfluss gestoppt ist, können sich Experten an die Suche nach der Ursache machen.

Georg Jüchter weiß immer, was los ist, er hat die Bauaufsicht. Er kennt fast jeden Hausbesitzer in der Gegend. Sein Telefon klingelt im Minutentakt. „Ich hab mein Handy immer an. Außer im Urlaub, dann erlaubt mir das meine Frau nicht.“ Überhaupt in den Urlaub zu fahren, fällt Georg Jüchter schon schwer. Doch: „Meine Frau besteht drauf.“

Trinkwasser und Abwasser ist das tägliche Geschäft der Männer auf der Betriebsstelle in Elsfleth – 575 Kilometer Trinkwasserleitung, 16 375 Hausanschlüsse, 4100 Schieber, 2121 Hydranten und mehr als 270 Kilometer Abwasserleitungen, um genau zu sein. Die Rohrnetzhandwerker kümmern sich um den Neubau von Leitungen wie um die Unterhaltung der Ver- und Entsorgungsleitungen. Auch Hausanschlüsse herzustellen, gehört zu ihren Aufgaben. Wie das geht, wenn das Trinkwasserrohr bereits benutzt wird und unter Druck steht, zeigt Günter Grunemeyer an einem Modell. Ein spezieller Handbohrer aus Edelstahl nimmt die Plastikspäne direkt mit auf. „So bleibt das Rohr sauber und wir müssen während der Bauarbeiten niemandem das Wasser abklemmen“, sagt Georg Jüchter.

Ratten sind kein Problem

Wieder klingelt sein Telefon. Einer seiner Männer hat gerade turnusmäßig eine Schmutzwasserleitung gespült und dabei festgestellt, dass die stark verfettet ist. „Da müssen wir mal mit der Kamera rein“, meint Georg Jüchter. Bei dieser Gelegenheit wird auch vorsorglich Rattengift ausgelegt. „Wir haben aber keine Probleme mit Ratten“, beruhigt der Chef. Dennoch werde regelmäßig etwas gegen die Schädlinge getan. „Viel wichtiger ist aber, was jeder einzelne Mensch tut. Etwa keinen Abfall in die Leitungen kippen oder Müll im Haus lagern“, mahnt der Wasserexperte.

Halbzeitpause ablesbar

Woher kommt die Bezeichnung Rohrnetzbetriebsstelle? „Weil die Leitungen hier vernetzt sind. Wir hängen alle aneinander“, sagt der Dienststellenleiter. Dabei spielen die beiden großen Türme auf dem Gelände eine entscheidende Rolle. Je 5000 Kubikmeter Trinkwasser können sie speichern, das aus Großenkneten und Nethen kommt. Die Füllhöhe beträgt etwa 20 Meter. Je nach Verbrauch des Trinkwassers füllen und entleeren sich die Türme automatisch. Die Drehzahl dreier Pumpen auf dem Gelände ist nur so hoch, wie die Kunden nach dem Wasser verlangen. So kann der Druck von 5,5 bar über Kilometer hinweg konstant gehalten werden. So sehen Georg Jüchter und seine Kollegen zum Beispiel, wann in einem Fußballspiel zur Halbzeit gepfiffen wurde – denn dann laufen alle zur Toilette.

Blick hinter die Kulissen

In der dreiteiligen Serie berichtet die Kreiszeitung Wesermarsch über die Betriebsstelle Elsfleth des OOWV. Heute haben wir die Anlage vorgestellt. Der zweite Teil am kommenden Montag beschäftigt sich mit den Gesundheitskontrollen. Im dritten und letzten Teil der Serie berichtet die Kreiszeitung von den OOWV-Baustellen, die in die Elsflether Zuständigkeit fallen.

bild vergrößern
Georg Jüchter ist seit 46 Jahren beim OOWV. An ein Ende möchte das Elsflether Urgestein , das im Oktober 65 Jahre alt wird, gar nicht denken.
Artikel vom 31.07.10 - 06:00 Uhr
| drucken | versenden