
Die Erfahrung kommt zweifelsohne von Georg Jüchter. Jeder der irgendwo zwischen Berne, Lemwerder, Brake, Elsfleth und Ovelgönne in den vergangenen Jahrzehnten ein Haus gebaut hat, kennt das Elsflether Urgestein. Er, der zunächst Gas- und Wasserinstallation gelernt hat, ist seit 1965 beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) und seit 1972 Chef der Truppe an der Nordermoorer Hellmer.
Dieses Team – das sind neben Georg Jüchter und dessen Stellvertreter fünf Rohrnetzhandwerker und einer im Innendienst. Einige von ihnen wohnen direkt auf dem Gelände, aus ihrem Wohnzimmerfenster blicken sie nach Süden über grüne Felder. Es geht familiär zu, der Chef weiß, wie er jeden Einzelnen seiner Leute anzupacken hat.
Das Telefon ist immer besetzt, einer hat stets Rufbereitschaft – Sonntag wie Heiligabend. Denn es muss schnell gehen, wenn irgendwo ein aufgeregter Hausbesitzer anruft, weil er einen Wasserschaden hat. Dann wird das Trinkwasser, das Georg Jüchter als „Lebensmittel Nummer 1“ bezeichnet, zum Gegner. „Es läuft ja immer weiter.“ Schnell muss es gehen, die Männer rücken aus, um die sogenannten Schieber in den Leitungen zu betätigen. Diese sitzen tief unter der Erde und werden über ein Gestänge bedient. Erst dann, wenn der Wasserfluss gestoppt ist, können sich Experten an die Suche nach der Ursache machen.
Georg Jüchter weiß immer, was los ist, er hat die Bauaufsicht. Er kennt fast jeden Hausbesitzer in der Gegend. Sein Telefon klingelt im Minutentakt. „Ich hab mein Handy immer an. Außer im Urlaub, dann erlaubt mir das meine Frau nicht.“ Überhaupt in den Urlaub zu fahren, fällt Georg Jüchter schon schwer. Doch: „Meine Frau besteht drauf.“
Trinkwasser und Abwasser ist das tägliche Geschäft der Männer auf der Betriebsstelle in Elsfleth – 575 Kilometer Trinkwasserleitung, 16 375 Hausanschlüsse, 4100 Schieber, 2121 Hydranten und mehr als 270 Kilometer Abwasserleitungen, um genau zu sein. Die Rohrnetzhandwerker kümmern sich um den Neubau von Leitungen wie um die Unterhaltung der Ver- und Entsorgungsleitungen. Auch Hausanschlüsse herzustellen, gehört zu ihren Aufgaben. Wie das geht, wenn das Trinkwasserrohr bereits benutzt wird und unter Druck steht, zeigt Günter Grunemeyer an einem Modell. Ein spezieller Handbohrer aus Edelstahl nimmt die Plastikspäne direkt mit auf. „So bleibt das Rohr sauber und wir müssen während der Bauarbeiten niemandem das Wasser abklemmen“, sagt Georg Jüchter.
