
Obwohl der Schock bei vielen Bernern tief sitzt – immerhin kommt der mutmaßliche Täter aus dem Ort – war die Verhaftung gestern fast schon wieder Geschichte. Wo am Mittwoch noch eine Story nach der anderen über den Festgenommenen Torsten T. und seine Familie die Runde machte, bestimmten am Mittwoch bereits wieder andere Themen die Gespräche. Weder im Friseursalon noch an der Wursttheke sei viel über die Festnahme gesprochen worden, berichteten Mitarbeiterinnen auf Nachfrage.
Ebenso wenig über den Fall sprechen wollte gestern Staatsanwalt Rainer du Mesnil de Rochemont. „Einzelheiten können wir noch nicht verbreiten“, vertröstete der Staatsbedienstete. „Die Geschichte muss erst auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft werden.“
Im Zuge der zweiten Version gestand der 42-jährige Berner dann, den 86-jährigen Textilhändler in seinen Räumen an der Langen Straße erschlagen zu haben. Da die Umstände aber noch nicht klar sind, gibt die Staatsanwaltschaft noch keine Details heraus.
So bleiben offene Fragen. Klingelte Torsten T. an der Tür seines späteren Opfers und bat es um Geld? Kam es dabei zum Streit, weil der Senior kein Geld herausrücken wollte? Oder hatte sich der Täter anderweitig Zugang zu den Geschäftsräumen verschafft, suchte dort zwischen den Textilien nach Geld und wurde von Friedrich Harmsen auf frischer Tat ertappt?
Rainer du Mesnil de Rochemont äußert sich zu all diesen Fragen nur lapidar: „Die Angaben werden noch überprüft.“ So arbeitet die Mordkommission Berne derzeit also noch weiter, fügt weiter Puzzleteilchen um Puzzleteilchen zu einem schlüssigen Bild zusammen.
Bürger, denen jetzt noch wichtige Details einfallen, die zur Aufklärung des Falles beitragen können, sollten nicht mehr versuchen, das Hinweistelefon mit der Cuxhavener Vorwahl anzurufen. Es wurde gestern abgeschaltet, teilte die Sprecherin der Mordkommission, Anke Rieken, mit. Hinweise könnten allerdings immer noch unter 0 44 01 / 93 50 an die Polizei in Brake oder an jede andere Polizeidienststelle gegeben werden.
Dort könnte er noch einige Wochen bis Monate schmoren. „Im Regelfall versucht man, die Ermittlungen zeitnah abzuschließen“, zeigt Rainer du Mesnil de Rochemont die weiteren Schritte auf. „Spätestens nach sechs Monaten müssen die Akten dem Oberlandesgericht zur Überprüfung vorgelegt werden, ob die Haft aufrecht erhalten werden kann.“ Ob es abschließend zu einer Mordanklage kommen wird, stehe noch nicht fest, sagte der Staatsanwalt gestern.
Am Dienstag, 6. Juli, hatten Bedienstete der Berner Gemeindeverwaltung den Geschäftsmann in seinen Räumen tot aufgefunden. Sie waren misstrauisch geworden, weil der als kauzig bekannte Mann an diesem Tag nicht wie üblich auf dem Parkplatz des Rathauses in seinem Wagen saß und sein gegenüberliegendes Geschäft beobachtete.
Im Zuge der Ermittlungen setzte die 30-köpfige Mordkommission unter anderem auf FBI-Methoden. Profiler rekonstruierten beispielsweise den wahrscheinlichen Tathergang.
