
Hendrik Vollers ist einer der fünf Männer, die aus einem alten Haus ihr Eigenheim formen. Der 24-Jährige hatte schon lange ein Auge auf dieses ältere Modell geworfen. Für keinen von ihnen wäre es infrage gekommen, woanders ein Haus zu kaufen. Es musste Moorriem sein. Alle fünf wollten in ihrer geliebten Heimatgemeinde bleiben. Häufig hört man von jungen Leuten die Losung: „Raus aus dem Ländlichen, ab in die Großstadt.“ Hiermit hat Moorriem nicht zu kämpfen.
Auf dem Uhlenbusch zählten Renate und Günther Haye mit Mitte fünfzig bis vor zehn Jahren noch zu den jüngsten Bewohnern. Doch in den vergangenen Jahren kauften die jungen Leute die Häuser der Alten auf. „Das freut uns“, sagt Renate Haye. Junges Blut belebt die Nachbarschaft.
Einer ihrer neuen Nachbarn ist nun bald der 24-jährige Hendrik Vollers. Er kaufte das Haus mit einem 750 Quadratmeter großen Grundstück zu dem Preis, den andere allein für das Grundstück zahlen. Doch das bedeutete auch sehr viel Arbeit, erschwert dadurch, dass er oft auf Montage unterwegs ist. Doch er freut sich darauf, so seinen Traum zu erfüllen.
Die fünf jungen Männer aus Moorriem sind jedoch alles andere als Träumer. Sie machen ein ziemlich gutes Geschäft, meint Michael Esken. Er ist Energieberater bei der Wohnungsbaugesellschaft Wesermarsch, die mehrere Baugebiete in Elsfleth betreut. „Die alten Gebäude werden als schrottreif bewertet, weil man sich in ihnen totheizen würde“, sagt der Energieexperte. Daher zahle man eigentlich nur für das Grundstück, das Haus ist sozusagen eine Beigabe.
Durch eine Förderung von der öffentlich-rechtlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau gebe es große Anreize, diese alten Häuser zu sanieren. „Dadurch können die Gebäude auf übliches Neubauniveau oder sogar besser gebracht werden“, betont Michael Esken. Der Zins für das Darlehen der Bank sei so gering, dass es beinahe einer Subvention gleichkomme. „Das ist Recycling auf hohem Niveau“, meint der Energieberater. Zudem sei es ökologisch sinnvoll, da weniger Energie für den Bau neuer Häuser aufgewendet werden müsse.
Noch lebt Hendrik Vollers bei seinen Eltern in Butteldorf, dort ist er mit seinen beiden Brüdern in ländlicher Umgebung aufgewachsen. Sein großer Bruder hat vor Kurzem ein Haus in Gellen erworben. Ein anderer Freund aus dem Schützenverein hat einen Hof in Huntorf gekauft und macht diesen wieder bewohnbar.
Es sei schön, wenn die jungen Leute vom Dorf im Dorf bleiben, da sind sich die älteren Dorfbewohner einig. Hendrik Vollers: „Für mich wäre es nicht infrage gekommen, in der Stadt ein Haus zu kaufen oder dort wohnen zu wollen, mir gefällt es hier, ich kann mir nichts anderes vorstellen.“
Hendrik Vollers ist 1988 geboren, sein Haus ist knapp 90 Jahre älter. Zurzeit ist er gerade dabei, den kompletten alten Holzfußboden herauszureißen. Er will für eine gute Isolierung mit Cellulose sorgen und Anschlüsse in die Küche verlegen, Wände umsetzen, die Ölöfen durch eine moderne Heizung ersetzen, und das alles in Eigenarbeit. Für den gelernten Elektriker ist das kein Problem.
Ein bewundernswerter fleißiger Mann aus einer Handwerkerfamilie. Zu Weihnachten möchte er sein neues Haus beziehen.
