Bürgermeisterin fehlt unentschuldigt
Elsfleth. 8453 Dienststunden haben die 63 aktiven Mitglieder der Ortsfeuerwehr Elsfleth 2011 geleistet. Eine zufriedenstellende Bilanz, befand Ortsbrandmeister Wilfried Eggers. Doch hinter den Kulissen beherrschte ein anderes Thema die Jahreshauptversammlung: Das Fehlen von Bürgermeisterin Traute von der Kammer. Von Sigrun Grasekamp

Zufrieden mit der Bilanz 2011 der Elsflether Feuerwehr (von links): Michael Nagel (mit Pokal für die beste Dienstbeteiligung), Johan Behrens, Stadtbrandmeister Hans-Jürgen Zech, der stellvertretende Bürgermeister Volker Osterloh, Ortsbrandmeister Wilfried Eggers und Andre Bielefeld. Foto sig
Es ist seit Jahrzehnten Brauch, dass das Stadtoberhaupt bei Hauptversammlungen der ehrenamtlichen Feuerwehren der Stadt Elsfleth als deren Vorgesetzter erscheint – oder im Verhinderungsfall einen offiziellen Stellvertreter schickt. Bürgermeisterin Traute von der Kammer stand ganz oben auf der offiziellen Einladung. Doch erschienen war sie nicht. Eine Absage hatten die Elsflether Feuerwehrleute auch nicht erhalten.
Selbst der stellvertretende Bürgermeister Volker Osterloh (CDU), der eigentlich in seiner Funktion als Vorsitzender des Feuerwehrausschusses zugegen war, schien überrascht, dass nun plötzlich er der oberste Repräsentant der Stadt war: „Hätte ich das gewusst, hätte ich mir einen Schlips umgebunden.“
Harsche Kritik
Währendddessen fielen in der Runde der Feuerwehrleute Sätze wie „So wird das Ehrenamt mit Füßen getreten“ und „Wenn mal bei ihr etwas passiert und wir anrücken müssen, dann wird sie schon zu würdigen wissen, was wir ehrenamtlich für die Stadt und ihre Bürger leisten.“
„Keine Einladung erhalten“
Die Bürgermeisterin kann die Empörung der Feuerwehrleute nicht nachvollziehen. Im Rathaus sei keine Einladung angekommen. Folglich habe sie auch nicht offiziell absagen können. Sie selbst habe erst am Tag zuvor bei der Sitzung des Feuerwehrausschusses von der Jahreshauptversammlung erfahren, sagte Traute von der Kammer der Kreiszeitung. Auch andere hätten bei dieser Sitzung angegeben, keine Einladung bekommen zu haben.
Und auf eben jener Sitzung, bei der auch der stellvertretende Bürgermeister Osterloh war, hatte Traute von der Kammer nach eigenen Angaben auch gesagt, dass sie am folgenden Tag bereits einen lange feststehenden Termin habe: den Nordseetourismustag in Wilhelmshaven. („Die Teilnahmegebühr war schon bezahlt.“) Grundsätzlich betont die Bürgermeisterin: „Ich bin für jeden jederzeit ansprechbar, aber ich kann beim besten Willen nicht jede Jahreshauptversammlung in der Stadt besuchen.“
Ente gerettet
Ortsbrandmeister Eggers ging bei der Versammlung nicht auf das Thema ein, sondern blickte in seiner Jahresbilanz 2011 zurück auf 30 kleinere und größere Einsätze, darunter ein Brandeinsatz im Juli, bei dem eine Wohnung eines Mehrfamilienhauses in der Lienestraße brannte. Vier Stunden waren 28 Feuerwehrleute im Einsatz, der Bewohner wurde den Sanitätern übergeben, die Wohnung war danach unbewohnbar. „Bei solchen Einsätzen wird uns Feuerwehrleuten alles abverlangt.“
Es gab für Feuerwehrleute aber auch weniger gefährliche Einsätze, wie das Bergen einer Geldkassette auf einem zugefrorenen Gewässer oder das Retten einer eingeklemmten Ente. Über die Notwendigkeit solcher Einsätze lasse sich streiten, meinte Kreisbrandmeister Heiko Basshusen und nahm‘s mit Humor: „Das ist heutzutage eben so. Kleine Äste von den Straßen räumen gehört auch zu unseren Aufgaben. Da müssen wir durch, Kameraden.“