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„Keine Spielwiese für Fehlplanungen“

Langwarden. 30 Mitglieder zählte der Förderverein Langwarder Groden vor seiner Versammlung am Montag – nach der Zusammenkunft dürfen es gut 40 sein. Die Argumente kommen bei vielen Menschen an. Über 100 wollten sich jedenfalls anhören, warum es im Langwarder Groden so bleiben soll, wie es ist.

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Sturmflut im Oktober 2007: Das Wasser steht dicht unter der Oberkante des Sommerdeichs . Wäre dieser Deich jetzt offen, wie es in der Ausgleichsmaßnahme vorgesehen ist, würde mit dem Wasser auch jede Menge Treibsel in den Langwarder Groden gelangen.

Der Vorsitzende Dieter Brockhoff beschrieb zu Beginn der Veranstaltung auf dem Hof Iggewarden, dass der Groden als Ausgleichsfläche für Deichbaumaßnahmen in Cäciliengroden, am Augustgroden und für den Bau des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven herhalten soll.

Das beinhaltet unter anderem die Öffnung des Sommerdeichs an zwei Stellen – jeweils 400 Meter breit. Durch die soll Wasser in den Groden gelangen, um auf diese Weise Salzwiesen zu schaffen. Das, insbesondere die Öffnung des Sommerdeichs will der Förderverein verhindern.

Eigentlich, so Dieter Brockhoff, sollte mit der Umsetzung der Kompensation 2005 begonnen werden. Und eigentlich sollte vor zwei Jahren alles fertig sein. Dass bis jetzt noch nicht einmal damit angefangen worden ist, liege daran, dass sich die beteiligten Verbände nicht einigen. Das allein zeige, dass das Vorhaben auch unter Fachleuten umstritten sei.

Gespräch mit der Gemeinde

Die Behörden hätten in der Vergangenheit zwar immer betont, die Planungen für den Langwarder Groden in enger Abstimmung mit den Bürgern zu erörtern. Doch das sei nicht geschehen und „hat uns erschüttert“, sagte Dieter Brockhoff.

Deshalb übernehme es der Förderverein, die Bevölkerung aufzuklären – „ohne Krawall. Wir wollen auf diplomatischem Wege versuchen, etwas zu bewegen“, sagte Dieter Brockhoff. Erstes Signal: In der nächsten Woche soll es ein Gespräch mit Vertretern der Gemeinde geben. Und: Auch der niedersächsische Umweltminister hat signalisiert, sich vor Ort informieren zu wollen (wir berichteten).

Hans-Gerd Gerdes erinnerte anschließend an die Geschichte des Sommerdeichs, der 1933 gebaut wurde. Der Burhaver, stellvertretender Vorsitzender des Rüstringer Heimatbundes, betonte, dass seine Organisation den Förderverein unterstützen werde. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Öffnung des Sonmerdeichs laut Nationalparkgesetz gar nicht erlaubt sei. „Unsere Heimat darf keine Spielwiese für Fehlplanungen werden“, sagte Hans-Gerd Gerdes.

Werden diese Planungen umgesetzt, kann Robert Tanzen einpacken. Der Landwirt bewirtschaftet 45 Prozent seiner Fläche im Langwarder Groden. In Butjadingen könne er nichts pachten. Er sei auf die Flächen angewiesen. Sind sie weg, „muss ich meinen Betrieb aufgeben“, sagte Robert Tanzen.

„Aussagen interpretierbar“

Agrarwissenschaftler Dr. Wolfgang Waßhausen hat sich in den letzten Wochen die Planunterlagen, unter anderem den landschaftspflegerischen Begleitplan, vorgenommen und dabei festgestellt, dass viele Aussagen interpretierbar seien. Er rät dazu, diese Planungen juristisch überprüfen zu lassen. Doch damit hat der Förderverein ein Problem – er hat nämlich nicht genug Geld, um Juristen oder gar Gutachter beauftragen zu können.

Dafür hat er mit Jan Dunkhase einen guten Verbündeten. Jan Dunkhase ist Vorsteher des Entwässerungsverbandes Butjadingen und im Vorstand des II. Oldenburgischen Deichbandes. Sein Vorschlag: Über das vorhandene Einlassbauwerk im Sommerdeich könne ein Teil des Grodens vernässt und als Speicherpolder benutzt werden, um damit bei ablaufendem Wasser den Fedderwarder Priel spülen zu können. „Wir sind nur Menschen mit gesundem Menschenverstand“, sagte Jan Dunkhase. Deshalb müsse dieser Vorschlag von Fachleuten überprüft werden.

Das allerdings setzt voraus, „dass man miteinander redet und gemeinsam Lösungen entwickelt“, so der Verbandsvorsteher. Jan Dunkhase hat den Eindruck, dass die Bevölkerung bewusst nicht informiert werde. Konfrontation sei nicht Sache des Vereins, wirbt er für moderate Töne. Aber: „Wenn die Bagger anrücken, werden wir mit Fackeln auf dem Deich stehen“. (kgo)

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Das vorhandene Einlassbauwerk im Sommerdeich spielt im Alternativvorschlag des Fördervereins eine große Rolle. Fotos: pr
Artikel vom 17.03.10 - 06:00 Uhr
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