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Der unerwartete Geldregen


Burhave. Der 67-jährige Burhaver traute seinen Augen kaum: Ein Verwandter sei 2004 bei einem Bombenanschlag in Madrid ums Leben gekommen. Er habe 6,5 Millionen Euro hinterlassen, die es zu verteilen gelte, hieß es in einem Schreiben einer spanischen Absenderin. Wenn der Burhaver nicht bereit sei, als Erbe aufzutreten, drohe die Beschlagnahmung des Geldes. Von Christian Heske


In dem in Portugal aufgegebenen Brief gibt sich die Absenderin als Beraterin des Verstorbenen aus. Ihr Vorschlag lautet: 20 Prozent des stattlichen Erbes könne man an Hilfsorganisationen verschenken, die übrigen 80 Prozent zu gleichen Teilen zwischen dem deutschen Nachkommen und der Beraterin aufteilen. Das Ganze sei völlig risikofrei, müsse aber streng geheim bleiben. Ist ja klar.

Das Problem dabei: Der Burhaver hat keinen Verwandten in Spanien. Zumindest wusste er bis zu der Zusendung von keinem. Und der in recht brüchigem Deutsch gemachte Vorschlag, mit geringem Aufwand locker vom Hocker eine siebenstellige Summe zu kassieren, klang für ihn etwas zu schön, um wahr zu sein. Statt zum Telefon zu greifen und die vermeintliche Wohltäterin in Spanien zu kontaktieren, marschierte der 67-Jährige schnurstracks zur Nordenhamer Polizei.

Dort brauchte man nicht lange, um in dem Schreiben eine leidlich bekannte Betrugsmasche zu erkennen. Zu einem der ältesten Tricks gehören laut Auskunft eines Ermittlers aus dem Fachkommissariat „Betrug“ der Polizeiinspektion Cuxhaven/Wesermarsch Briefe, Faxe und E-Mails, die dem Empfänger eine Menge Geld versprechen – aus einer Erbschaft oder einem Familienschatz beispielsweise. Der Haken dabei: „Um an das gewünschte Geld zu kommen, werden allerdings zunächst viele tausend Euro für Gebühren, Notarkosten oder Steuer fällig“, warnt Polizeisprecherin Anke Rieken. „Wenn das Opfer zahlt, brechen die Betrüger den Kontakt ab – das gezahlte Geld ist verloren.“

Die Polizeisprecherin warnt: Grundsätzlich sollte man Menschen, die man nie persönlich kennengelernt oder gesehen hat, kein Geld überweisen oder auf sonstige Forderungen eingehen. Gerade im Internet tummeln sich Betrüger, die an der Gutgläubigkeit ihrer Mitmenschen viel Geld verdienen wollen. „Seien Sie also immer misstrauisch bei unglaublichen Angeboten, ob bei der Wohnungs-, Auto- oder der Partnersuche“, sagt Anke Rieken. „Aber auch bei horrenden Gewinnversprechen und dubiosen Erbschaften sollten Sie wachsam sein.“

„Die Bürgerinnen und Bürger in der Wesermarsch sind allerdings auf der Hut“, äußert die Sprecherin der Polizei. Die polizeilichen Beratungsstellen informieren kostenlos über die Gefahren derartiger Betrugsmaschen. „Die Präventionsbeamten der Polizeidienststellen in Nordenham und Brake beraten Sie gern“, sagt Anke Rieken. Weitere Informationen zum Schutz gegen Betrug gibt es auch im Internet.

www.polizei-beratung.de


Artikel vom 28.04.12 - 12:00 Uhr
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