
Er war gestern aus Bonn zugeschaltet, als Radio Bremen mit „Nordwestradio unterwegs“ live aus Brake berichtete – und zwar wegen der Steueraffäre des Braker Bürgermeisters. „Müssen Politiker Vorbild sein?“ lautete die zentrale Frage. Und dabei ging es auch darum, ob der Bürgermeister im Amt bleiben könne.
Für die SPD machte Parteivorsitzender Ingo Logemann klar, dass der Bürgermeister „charakterlich nicht mehr integer sei, um sein Amt auszuüben“. Und er warf dem Bürgermeister vor, nicht vorgehabt zu haben, den Stadtrat über seine Verurteilung zu informieren: „Er ist vom Landrat gezwungen worden.“ Dem widersprach Roland Schiefke: „Ich habe ohne schuldhaftes Verzögern in der nächsten Ratssitzung informiert.“
„Politiker müssen Vorbilder sein“, stellte Olaf Lies, Kandidat für den SPD-Landesvorsitz in Niedersachsen, unmissverständlich klar. Gefehlt habe ihm das öffentliche Eingeständnis – und er hätte sich auch gewünscht, dass der Stadtrat konsequent entschieden hätte. Olaf Lies weiter: „Ich erwarte von den Leuten, dass sie selber die Konsequenzen ziehen und nicht auf Abwahl warten.“
„Politiker sind in erster Linie Abbilder der Gesellschaft“, so CDU-Fraktionschef Daniel Stellmann, der ihnen Fehler zugestand. Eine Täuschung der Wähler wäre es gewesen, wenn Roland Schiefke schon verurteilt gewesen wäre. Das Verfahren hätte auch anders ausgehen können: „Daraus eine Pflicht abzuleiten, er hätte es im Wahlkampf sagen müssen, halte ich für schwierig.“
Dass Bodenhaftung in der Politik wichtig sei, betonten Olaf Lies und Ingo Logemann. Daher sollte man auf das Volk hören. Das werde am 25. April befragt. Danach könnte als zweiter Wahlgang ein Abwahlverfahren folgen, für das eine Dreiviertelmehrheit nötig ist. Das gehe aber nur, wenn die CDU bereit sei, sich dem Votum der Bürger zu beugen. Die Bürgerbefragung sei ein Stimmungsbild, so Daniel Stellmann: „Danach schauen wir weiter.“ Dann sollte der Rat aber geschlossen handeln. (gg)
