
Für 15 Uhr war der DSDS-Finalist angekündigt. Kurz nach halb vier gibt DJ R, der für die Musik vor und während des Konzerts – Instrumente wird es keine geben – sorgt, bekannt: „Er steht im Stau. Ihr müsst euch noch ’ne halbe Stunde gedulden.“ Enttäuschung macht sich breit, jetzt erstmal ein Eis oder eine Portion Pommes. Dann, etwa 20 nach vier, geht das Kreischen auf dem Gelände am Boitwarder Groden einem durch Mark und Bein: Menowin Fröhlich, der Zweitplatzierte bei „Deutschland sucht den Superstar“, steht auf der Bühne.
Die geduldigen Fans klatschen, rufen immer wieder Menowin, Menowin. Der 22-Jährige, der sich für die Verspätung nicht entschuldigt, weiß das zu quittieren. „Ihr tut meinem Herzen so gut.“ Ein Raunen, fast ein Seufzen geht durch die Menge. Die ist bunt gemischt an diesem Nachmittag – zwischen 4 und 70 Jahre sind die Zuschauer alt. Viele Kinder haben ihre Eltern im Schlepptau, nach oben gibt es für einen echten Fan keine Altersgrenze. Wie bei Kathrin Hommel: „Ich war nie zuvor ein Fan, weder in den 70er, noch in den 80er Jahren“, berichtet die 45-Jährige, die aus Bielefeld angereist ist. „Aber jetzt! Ich bin ein Fan mit Leib und Seele.“ Für sie ist Menowin der liebevollste Mensch, den sie kennt. Zu seinen Straftaten in der Vergangenheit sagt sie: „Die Presse benötigt immer Skandale.“
Abgeschlossen mit seiner Show hatte auch Menowin schnell. Rund 25 Minuten steht er auf der Bühne, singt sieben Lieder, unter anderem von Usher und Daniel Merriweather. Auch Michael Jacksons „We are the World“ und „Billy Jean“ sind dabei – bei Letzterem sorgt ein verpasster Einsatz dafür, dass die Fans merken: Nicht der gesamte Gesang kommt an diesem Nachmittag aus Menowins Kehle. Auch über die genaue Zuschauerzahl am Nachmittag herrscht Verwirrung. Die Polizei schätzt rund 350, die Ordner am Eingang etwa 600.
Die Veranstaltung von draußen betrachten mussten Rainer Fromm und Steven Plöger von der Bremer Redaktion der Bild-Zeitung. „Wir dürfen nicht auf das Gelände“, schimpft Redakteur Rainer Fromm. Das sei unglaublich. Immer wieder telefoniert er mit der Redaktion, versucht eine Lösung zu finden. Doch das Nachmittagskonzert sehen die beiden nur durch den Zaun. Fromm berichtet, er habe einen Tipp bekommen, dass heute eventuell die Steuerfahndung auf einem der beiden Konzerte in Brake auftauchen will. Angeblich habe Menowin keine Steuern abgeführt, sagt Rainer Fromm. „Jeder Freiberufler muss seine Einnahmen versteuern“, so der Redakteur. Das gelte auch für einen Menowin Fröhlich. „Die haben uns einfach rausgeschmissen“, ist Bildzeitung-Volontär Steven Plöger entrüstet. So etwas sei ihm noch nie passiert. „Mir auch nicht, und ich bin seit 31 Jahren dabei“, erwiderte Rainer Fromm.
Auch einige Fans waren sauer. Anke Klement aus Brake besuchte mit zwei Kindern und ihrem Mann das Konzert. „Wir haben pro Erwachsene 28 Euro und für jedes Kind 10 Euro bezahlt. Für den Preis so lange warten und dann so ein Auftritt – das ist unverschämt.“ Auch Nina Theesfeld war enttäuscht. „Man hört immer von seinen Auftritten, dass er im Stau steht. Dann soll er eher losfahren. Vor allem, weil hier so viele Kinder sind. Die stehen sich alle die Beine in den Bauch.“
Eine kleine Entschädigung gab es hinterher. In einem Zelt schrieb Menowin Fröhlich fleißig Autogramme und ließ Fotos mit sich machen. „Wie heißt du? Welchen Namen soll ich drauf schreiben“ – für diese Fragen nahm sich der 22-Jährige Zeit.
Über das Abendkonzert mit der anschließenden After-Show-Party wird die Kreiszeitung morgen ausführlich berichten. Weitere Fotos des Konzerts finden Sie auf unser Internetseite www.kreiszeitung-wesermarsch.de
