
Schon seit einiger Zeit sei „über den Küstenklatsch“ gemunkelt worden, dass demnächst bei J. Müller Entlassungen anstehen. Doch mit diesem „Hammer“ habe niemand rechnen können, betont Ingo Logemann. Der Gewerkschaftsvertreter weist darauf hin, dass seit einem dreiviertel Jahr am Breakbulk Terminal kurzgearbeitet wird. Damit habe man eigentlich die Schwierigkeiten der Konjunktur in den Griff kriegen wollen. Nun warte das Unternehmen nicht einmal mehr ab, was bis zum Jahresende passiere, kritisiert Ingo Logemann: „Ein Drittel der Beschäftigten des Braker Nordpiers soll bereits jetzt in die endgültige Arbeitslosigkeit gejagt werden.“
„Die Existenzangst ist bei den Hafenleuten spürbar, denn in der Wesermarsch gibt es keine vergleichbaren Arbeitsplätze“, erbost sich hingegen Ingo Logemann. „Derartige Einschnitte lassen jedes vernünftige Augenmaß vermissen“, meint der Verdi-Mann, denn das Unternehmen J. Müller habe in den vergangenen drei Jahren bereits 60 Arbeitsplätze abgebaut.
Gleichzeitig weist der Gewerkschaftssekretär darauf hin, dass „Subventionen ohne Ende“ für den Braker Hafen und die Firma J. Müller geflossen seien. Allein in die neuen Anlagen des neuen Hafens seien fast 40 Millionen Euro Steuergelder gelenkt worden. Der Gewerkschafter verweist besonders darauf, dass die staatlichen Gelder aus Steuern auf die Löhne der Arbeitnehmer stammten. „Denn die Unternehmen zahlen ja keine Gewerbesteuern mehr, wie jeden Tag die Kämmerer der Städte und Gemeinden verkünden“, sagt Ingo Logemann.
Noch bei der Eröffnung des Niedersachsenpiers und beim Niedersächsischen Hafentag in Brake seien Lobreden auf die Unternehmer und die zukunftsweisenden Investitionen von Ministern und Arbeitgebern ausgetauscht worden, beklagt Ingo Logemann. „Viele Hafenarbeiter waren Ohrenzeugen und glaubten an diese Versprechungen.“ Er mutmaßt, dass das Ziel aller Subventionen und Investitionen darin liege, Hafenbetriebe in Brake überwiegend ohne feste Beschäftigte mit Billiglöhnern betreiben zu wollen. Auf wenig Verständnis bei ihm stößt auch die Forderung der Unternehmensführung, die Tariflöhne abzusenken.
Am Montag findet eine außerordentliche Betriebsversammlung statt. Die Verdi-Tarifkommission erwarte, dass der Arbeitgeber dort erläutere, warum 55 Leute zu viel an Bord sein sollen. Betriebsrat, Tarifkommission und Verdi wollen danach die Lage erneut bewerten.
