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„Ein Schock für die Beschäftigten“

Brake (hes). Mit heftiger Kritik hat die Gewerkschaft Verdi die Ankündigung des Unternehmens J. Müller Breakbulk Terminal kommentiert, zum Beginn des kommenden Jahres 55 Mitarbeiter entlassen zu wollen. „Das ist ein Schock für die Beschäftigten und hat eine Art Lähmung ausgelöst“, teilt Gewerkschaftssekretär Ingo Logemann mit.

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Vor allem die massiven Rückgänge beim Holzumschlag (Bild), aber auch Einbrüche beim Zellstoff- und Stahlgeschäft machen der Hafenfirma J. Müller Breakbulk Terminal derzeit zu schaffen. Foto: Archiv

Schon seit einiger Zeit sei „über den Küstenklatsch“ gemunkelt worden, dass demnächst bei J. Müller Entlassungen anstehen. Doch mit diesem „Hammer“ habe niemand rechnen können, betont Ingo Logemann. Der Gewerkschaftsvertreter weist darauf hin, dass seit einem dreiviertel Jahr am Breakbulk Terminal kurzgearbeitet wird. Damit habe man eigentlich die Schwierigkeiten der Konjunktur in den Griff kriegen wollen. Nun warte das Unternehmen nicht einmal mehr ab, was bis zum Jahresende passiere, kritisiert Ingo Logemann: „Ein Drittel der Beschäftigten des Braker Nordpiers soll bereits jetzt in die endgültige Arbeitslosigkeit gejagt werden.“

Umschlag eingebrochen

Die Geschäftsführung der auf Stückgut spezialisierten Hafenfirma hatte am Vortag darauf hingewiesen, dass angesichts dramatisch eingebrochener Umschlagszahlen selbst die Kosten für Kurzarbeit zu hoch seien (die Kreiszeitung berichtete). Abgesehen von den bereits aufgetretenen Verlusten, sei auch im kommenden Jahr keine Besserung in Sicht.

„Die Existenzangst ist bei den Hafenleuten spürbar, denn in der Wesermarsch gibt es keine vergleichbaren Arbeitsplätze“, erbost sich hingegen Ingo Logemann. „Derartige Einschnitte lassen jedes vernünftige Augenmaß vermissen“, meint der Verdi-Mann, denn das Unternehmen J. Müller habe in den vergangenen drei Jahren bereits 60 Arbeitsplätze abgebaut.

Gleichzeitig weist der Gewerkschaftssekretär darauf hin, dass „Subventionen ohne Ende“ für den Braker Hafen und die Firma J. Müller geflossen seien. Allein in die neuen Anlagen des neuen Hafens seien fast 40 Millionen Euro Steuergelder gelenkt worden. Der Gewerkschafter verweist besonders darauf, dass die staatlichen Gelder aus Steuern auf die Löhne der Arbeitnehmer stammten. „Denn die Unternehmen zahlen ja keine Gewerbesteuern mehr, wie jeden Tag die Kämmerer der Städte und Gemeinden verkünden“, sagt Ingo Logemann.

Noch bei der Eröffnung des Niedersachsenpiers und beim Niedersächsischen Hafentag in Brake seien Lobreden auf die Unternehmer und die zukunftsweisenden Investitionen von Ministern und Arbeitgebern ausgetauscht worden, beklagt Ingo Logemann. „Viele Hafenarbeiter waren Ohrenzeugen und glaubten an diese Versprechungen.“ Er mutmaßt, dass das Ziel aller Subventionen und Investitionen darin liege, Hafenbetriebe in Brake überwiegend ohne feste Beschäftigte mit Billiglöhnern betreiben zu wollen. Auf wenig Verständnis bei ihm stößt auch die Forderung der Unternehmensführung, die Tariflöhne abzusenken.

„Konzern geht es gut“

Ingo Logemann gibt sich überzeugt davon, dass es der Unternehmensgruppe J. Müller insgesamt gut gehe. „Der Konzern, der neben Breakbulk auch aus Agri in Brake, Weser in Bremen und anderen Firmen besteht, ist nicht bereit, einen Euro aus den anderen gut verdienenden Betrieben zur Querfinanzierung einzusetzen, um die Flaute zu überbrücken“, behauptet der Verdi-Mann. Er wettert, dass die soziale Verpflichtung von Arbeitgebern gegenüber Beschäftigten in den Zeiten der Globalisierung nicht mehr gelte, sondern „vom Unternehmensleiter nur in Sonntagsreden beschworen“ werde. Wo die entlassenen Mitarbeiter hinterher Beschäftigung finden sollen, sei ungeklärt.

Am Montag findet eine außerordentliche Betriebsversammlung statt. Die Verdi-Tarifkommission erwarte, dass der Arbeitgeber dort erläutere, warum 55 Leute zu viel an Bord sein sollen. Betriebsrat, Tarifkommission und Verdi wollen danach die Lage erneut bewerten.

Artikel vom 24.09.09 - 06:00 Uhr
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