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„Die Seele braucht Trost“


Brake. Wenn Axel Thormählen mal wieder nach Brake kommt, dann nimmt er immer die Fähre. „Nicht nur wegen der Bockwurst“, sagt der 64-Jährige und lacht. Die Weser, die Geräusche – das alles ist es, was den gebürtigen Nordenhamer, der in Brake aufgewachsen ist und seit 40 Jahren in Schweden lebt, an seine Heimat erinnert. Derzeit ist er wieder hier zu Besuch, morgen Abend stellt Axel Thormählen sein neues Buch vor. Von Kathrin Weigert


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„In Brake verankert“ , kommentiert es Axel Thormählen, als er sich für das Foto vor den großen Anker an der Braker Kaje stellt. Morgen liest er in der Buchhandlung Gollenstede aus seinem neuen Buch. Foto: kan

Der Schriftsteller ist den meisten Brakern ein Begriff. Sei es von seinen Romanen über die Stadt, sei es aus dem Studio 3. „Das ist die Generation, mit der ich hier in Brake aufgewachsen bin.“ Nur noch wenige von ihnen trifft er allerdings, wenn er heute etwa zweimal im Jahr zurück nach Brake kehrt. Das ist der Ort, in den er im Alter von 13 Jahren gezogen war. Hier hat sich Axel Thormählen zum Buchhändler ausbilden lassen, ehe er nach Hamburg, Frankfurt und schließlich nach Schweden ging. Und doch sind seine Gefühle für Brake gespalten. „Damals sind die Leute mitunter aus Bremen ins Studio 3 gekommen. Brake war zeitweise der Mittelpunkt der Erde. Diese Atmosphäre ist jetzt nicht mehr zu finden.“

Fußmarsch nach Hause

Derzeit besucht Axel Thormählen mal wieder Brake und die Wesermarsch. Er trifft seinen Freund, den Braker Liedermacher Helmut Debus, war auf „Nostalgietour durch Nordenham“, wie er es selbst nennt, und am Sonntag feiert er Goldene Konfirmation in Golzwarden. Ein wichtiger Termin steht morgen an. Dann stellt Axel Thormählen, der gerade Großvater von Zwillingen geworden ist und in Schweden sich noch heute wegen seines Akzentes – „es ist der gleiche wie der von Königin Silvia von Schweden“ – Kommentare anhören muss, sein neues Buch vor.

Weihnachtliche Erzählungen füllen das Buch „Eine Wintertaufe“. Eine waschechte Weihnachtsgeschichte, die wollte er schon immer schreiben. Das sei, so Axel Thormählen, die Erzählung „23. Dezember“ geworden. Doch insgesamt sind es fünf Geschichten geworden, die es in das Buch geschafft haben, die Weihnachten immer wieder aus einer anderen Perspektive beleuchten. Eine davon ist seine eigene Entstehungsgeschichte, wie sie ihm einst seine Mutter erzählt hat. Axel Thormählens Vater hatte 1944 zwei Tage Heimaturlaub. Weil fast die gesamte Infrastruktur zerstört war, kam er nur bis Oldenburg. Die restlichen 30 Kilometer musste er laufen. „Ich habe mich immer gefragt: Was denkt ein Mann, der 30 Kilometer läuft, um zu seiner Frau zu kommen?“

Liebe, Leben, Tod – das sind die Themen, von denen Axel Thormählen schreibt. „Die Verhältnisse werden heute ja immer kürzer. Man traut sich kaum noch, ein Hochzeitsgeschenk zu besorgen, weil die Ehe eh’ in zwei Monaten vorbei ist. Das finde ich sehr bedrückend.“ Dies aber sei ein internationales Problem. „Kein Mensch wagt heute mehr, über sein Leben nachzudenken.“ Deshalb handeln seine Bücher auch von echter Liebe, von Wundern. „Das will der Mensch wissen. Die Seele braucht Trost.“ An Wunder zu glauben, das sei ohnehin keine Glaubensfrage, findet Axel Thormählen. „Wunder passieren, ohne dass wir es merken.“

Buchvorstellung

Axel Thormählen stellt am morgigen Donnerstag, 16. September, in der Buchhandlung Gollenstede, Breite Straße 8, sein neues Buch „Eine Wintertaufe“ vor. Los geht es um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Artikel vom 15.09.10 - 06:00 Uhr
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