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„Animo“ ist zugleich Zuhause und Atelier


Brake. Catharina und Hilmar Bockhacker haben sich einen Traum erfüllt: Die beiden Krefelder leben an Bord eines Traditionsschiffes, der 87 Jahre alten „Animo“. Das Achterdeck ist zugleich ein Atelier. Dort stellt Catharina Bockhacker Kunst aus Altmetall her – aus ausgedienten Ölfässern entstehen Feuertonnen. Von Gabriele Gohritz


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Catharina und Hilmar Bockhacker leben seit zehn Jahren an Bord der „Animo“, die zugleich Atelier ist. Der Besuch in Brake hat die Recycling-Künstlerin zu einer Feuertonne mit Braker Motiven inspiriert.

Das Ehepaar aus Krefeld ist nach Brake gekommen, um hier im Rahmen des 2. Binnenhafenfestes am Treffen der Deutschen Traditions-Motorboot-Vereinigung (DTMV) teilzunehmen. „Wir wollen uns Brake einmal richtig anschauen, daher sind wir schon früher angereist“, berichtet das Ehepaar, das mit seinem Traditionsschiff schon vor einigen Tagen im Binnenhafen festgemacht hat.

Die „Animo“ wurde 1923 in Holland gebaut und ist 25 Meter lang und 5,05 Meter breit. Während der Rumpf dem einer Tjalk entspricht, wurden Bug und Heck später angebaut: „Sie ist ein Unikat“, schmunzelt Hilmar Bockhacker. Vor elf Jahren hat das Ehepaar die alte Dame gekauft, jahrelang daran gebaut. Seit zwei Jahren fahren sie mit dem Schiff, das seit zehn Jahren auch das Zuhause von Catharina und Hilmar Bockhacker ist.

Catharina Bockhacker ist von Beruf Übersetzerin und Fremdsprachensekretärin, ihr Mann Diplom-Ökonom. „Bis 1995 hatten wir viel gespart. Während sich andere eine Eigentumswohnung kaufen, haben wir gesagt: Wir nehmen eine Auszeit und reisen“, erzählt Catharina Bockhacker. Mit einem Holzboot fuhren sie 15 Monate lang auf europäischen Gewässern: „Eine tolle Zeit.“

Beide hatten das Glück, wieder bei ihren alten Arbeitgebern anzufangen. „Aber mit einer Wohnung konnten wir uns nicht mehr anfreunden“, erzählt die 48-Jährige. Berufliche Veränderungen führten dazu, dass sich Hilmar Bockhacker selbstständig machte, ein Unternehmen mit 30 Angestellten aufbaute – und dann seine Anteile verkaufte. „Das ist unser Polster. Wir haben keine großen Ansprüche. Von meiner Kunst können wir nicht leben, aber es ist ein Zubrot und macht wahnsinnig viel Freude.“

In Resten Figuren entdeckt

Die 48-Jährige hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Früher hat sie gemalt – durch die Schweißarbeiten für den Umbau des Schiffes kam sie dazu, aus Metallresten Kunst zu machen: „Ich habe auf die Reste gesehen und dabei einen kleinen Vogel entdeckt.“ Nach und nach hat sich Catharina Bockhacker die Kunst des Schweißens angeeignet, nannte ihre Werkstatt „1500º“ – nach dem Schmelzpunkt für Stahl. Sie stellte auch aus. „Bei einer Ausstellung war es so kalt, dass ich Feuer in einer alten Tonne gemacht habe. Aus der hatte ich die Form eines Geckos herausgeschweißt. Und ausgerechnet diese Tonne wollte eine Frau kaufen.“ So entstand die Idee, aus alten Ölfässern Feuertonnen zu fertigen. Die gibt es in verschiedenen Größen und sind inzwischen eine Spezialität der 48-Jährigen. Ihr Mann hilft ihr: Der 51-Jährige fertigt die Gestelle. „Spiel mit dem Feuer“ ist heute der Zusatz für das Atelier.

Die Motive sind vielfältig, sind der Region, aus der die Bockhackers kommen, angepasst. Hier in Brake hat Catharina Bockhacker eine Tonne mit dem Schriftzug Brake, dem Motiv des Weserfischers und dem eines Duckdalbens versehen. An Bord der „Animo“ arbeitet Catharina Bockhacker zurzeit an einer Feuertonne mit dem Motiv des Leuchtturms Roter Sand. Dabei können ihr Bürger zuschauen – die „Animo“ ist auf der Ostseite des Binnenhafens bei Neptun Fischvermarktung zu finden.

Hängt an der Bordseite der „Animo“ eine Glocke, ist das Ehepaar an Bord. Läuten kann jeder: „Egal, ob er Fragen zum Schiff oder zu den Feuertonnen hat – oder nur schnacken möchte“, laden Catharina und Hilmar Bockhacker zum Besuch an Bord ein. Und sollte das Ehepaar nicht da sein: Es liegen Visitenkarten für eine spätere Kontaktaufnahme aus.

www.1500-grad.de

Atelierschiff „Animo“

Beim Binnenhafenfest am Sonnabend und Sonntag, 31. Juli und 1. August, kann das Atelierschiff „Animo“ besichtigt werden. Besucher können Catharina Bockhacker bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und Feuertonnen sowie andere Metallkunst erwerben. Eine Schifferkollegin aus Bremerhaven wird die Arbeit der 48-jährigen Krefelderin musikalisch untermalen.

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Reizvoll in der Dunkelheit: Die Motive, die Catharina Bockhacker in ausgediente Fässer schweißt, treten durch echtes Feuer, Kerzen oder Lichterschlauch hervor. Foto: pr
Artikel vom 15.07.10 - 06:00 Uhr
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