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„Einfach neue Wege gehen“

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Frankfurt. Deutschland hat sich verpflichtet, Kinder mit Behinderung nicht von normalen Schulen auszuschließen. Die Inklusion soll dafür sorgen, dass alle Kinder gemeinsam in der Regelschule lernen. Die Probleme auf dem Weg dorthin beschreibt die Fachbuchautorin Katja Irle im Gespräch mit Ulrich Kroeger.

Frau Irle, wie kann es angehen, dass die sogenannte Inklusionsquote steigt, ohne dass die Zahl der Förderschüler nennenswert zurückgeht?

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„Inklusion in der Schule“
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Der Anteil der Kinder, denen sonderpädagogischer Förderbedarf attestiert wird, steigt seit Jahren an.

Welche Erklärung haben Sie dafür?

Häufig werden Kinder etikettiert, damit die Schule zusätzliche Ressourcen bekommt. Das heißt, Geld und Personal gibt es nur dann, wenn das Kind diesen Förderstempel hat.

Ist Inklusion also vor allem eine Kostenfrage?

Der Erfolg hängt auch von den Finanzen ab, aber nicht nur. Die Verantwortlichen müssen auch die richtigen Prioritäten setzen. Zwar investieren die Bundesländer durchaus nennenswerte Summen in die Inklusion. Aber es gibt ein strukturelles Problem: Die meisten erhalten das Doppelsystem von Förderschulen und allgemeinbildenden Schulen weiter aufrecht. Diese Doppelstruktur ist extrem teuer.

Also fehlt es an Geld?

Wenn man an den Förderschulen festhalten will, dann muss insgesamt mehr Geld ins System. Sonst besteht die Gefahr, dass sich die Bedingungen für Kinder an den Förderschulen verschlechtern und gleichzeitig der inklusive Unterricht an den anderen Schulen nicht vorankommt. Es muss viel mehr in die Lehreraus- und fortbildung investiert werden. Und es müsste mehr auf die einzelne Schule geschaut werden, anstatt zu versuchen, alle gleich zu behandeln.

Inwiefern ist Inklusion eine Personalfrage?

Die Bildungsgewerkschaften sagen schon lange, dass Inklusion kleinere Klassen braucht, es also mehr Lehrer geben muss. Es ist ein Unterschied, ob 30 oder 20 Kinder in einer Klasse sind. Oder Teamunterricht: Auch das ist eine Forderung, die aus Kostengründen bislang kaum umgesetzt ist.

Oft wird auch die Verregelung unserer Schulen kritisiert, wenn etwa die Kleiderhaken in einer bestimmten Höhe angebracht sein müssen. Behindert das auch die Inklusion?

Es gibt viele Beispiele, wo eine Schule ein Kind mit einer Beeinträchtigung aufnehmen wollte, die Verwaltungshürden aber so hoch waren, dass sie letztlich daran gescheitert ist. Ich kenne ein Gymnasium in Niedersachsen, wo ein Kind mit Rollstuhl täglich die Treppen rauf- und wieder runtergetragen wurde, weil es kein Geld für einen Umbau gab. Solche Beispiele zeigen: Das System muss flexibler werden und schneller reagieren. Es ist eben ein Unterschied, ob ich ein Kind mit Rollstuhl in der Klasse habe, ein Kind mit Hörbehinderung, ein Kind mit Down-Syndrom oder einen Schüler – und das ist die größte Gruppe – mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Da braucht die Schule jeweils ganz andere Ressourcen und Förderstrategien.

Was können die Schulen tun?

Auch sie müssen umdenken. Oft höre ich von Lehrerinnen und Lehrern: Das habe ich nicht gelernt, dafür bin ich nicht ausgebildet. Inklusion braucht natürlich gut ausgebildete Lehrer, aber sie braucht auch Improvisationsfreude und den Willen, einfach mal neue Wege zu gehen.

Was ist mit den Eltern?

Es gibt viele Vorbehalte. Eltern befürchten, dass ihr eigenes Kind nichts mehr lernt, wenn Kinder mit Förderbedarf in die Klasse kommen. Da muss viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, und die Schulen müssen transparenter werden. Es kann nicht sein, dass plötzlich sogenannte Inklusionskinder in den Klassen sind, ohne dass Eltern vorher davon erfahren haben. Das hat oft datenschutzrechtliche Gründe, aber es ist für eine Klassengemeinschaft besser, wenn offen über Veränderungen gesprochen wird.

Dabei dient Inklusion doch nicht nur behinderten Kindern, oder?

Hier gibt es große Missverständnisse. Inklusion erschöpft sich nicht darin, dass Kinder mit Behinderungen an den Regelschulen lernen und sonst alles beim Alten bleibt. Das ist ein völlig verkürzter Ansatz. Inklusion bedeutet, dass Kinder mit Lernschwierigkeiten genauso gefördert werden wie Kinder mit Hochbegabung. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, bietet aber große Chancen: Es gibt wissenschaftliche Befunde, wonach soziales Lernen in Klassen mit Inklusion besonders gut funktioniert. Die Kinder lernen, Rücksicht auf andere zu nehmen, sie lernen, dass nicht alle so sind wie sie – und spätestens im Berufsleben werden sie davon enorm profitieren. Im Idealfall können Kinder ihr eigenes Wissen festigen, indem sie anderen etwas erklären. Allerdings halte ich nichts davon, dass alle Kinder immer alles gemeinsam machen müssen. Im Gegenteil: Es muss auch Phasen geben, wo beispielsweise besonders leistungsstarke Kinder zusammen lernen können. Das ist kein Verrat an Inklusion.

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