
Ein hergesuchtes Nacktfoto von einer Unbekannten, ein erfundenes Verhältnis des Bürgermeisters, die Drohung, alles zu veröffentlichen, wenn die Ehefrau nicht 5000 Euro zahlt. Schließlich stellt sich heraus, dass der 41-jährige Braker, der den Erpressungsversuch gestanden hat, den Erpresserbrief aus Rache dafür geschickt haben will, dass der Bürgermeister ihn einmal nicht gegrüßt habe. Das klingt alles nach einer kriminalistischen Provinzposse – doch für die Betroffenen war sie alles andere als lächerlich.
„Wir haben sofort die Kripo informiert, und ich kann jedem, der so etwas auch erlebt, nur raten, das ebenfalls zu tun“, sagt Roland Schiefke über das Geschehen, das sich zum Jahreswechsel zugetragen hat. „Wir wurden auch psychologisch betreut.“ Dennoch lagen die Nerven ziemlich blank.
Am Tag der Geldübergabe, die dann nicht stattfand, seien ständig drei Beamte im Haus gewesen und hätten Kontakt zur Einsatzzentrale gehabt. „Meine Frau war verkabelt.“ Mehr als 50 Beamte sollen zu dem Zeitpunkt in der Kreisstadt im Einsatz gewesen sein, darunter auch Kräfte des Spezialeinsatzkommandos (SEK). „Die Polizei hat das ernst genommen“, sagt Roland Schiefke.
Doch Erleichterung habe sich bei seiner Frau und ihm erst eingestellt, nachdem der mutmaßliche Täter Anfang März gefasst worden sei. „Die Polizei hat uns darauf hingewiesen, dass es einen erneuten Kontaktversuch des Erpressers geben könnte, nachdem die Geldübergabe nicht stattgefunden hatte.“
Der Erpressungsversuch habe seine Familie und ihn allerdings zu einem Zeitpunkt getroffen, da er ohnehin von einer Krebsdiagnose im November vergangenen Jahres angegriffen gewesen sei. „Ich habe das operativ entfernen lassen“, berichtet Roland Schiefke. Anschließend habe es die üblichen, auch körperlich belastenden Nachkontrollen gegeben, für die Kontrastmittel gespritzt werde. „Die Untersuchungsergebnisse geben keinen Anlass zur Sorge“, sagt Roland Schiefke. Trotzdem sei eine derartige Krankheit für die ganze Familie belastend.
Aus diesem Grund habe ihm auch gelegentlich in seiner Funktion als Bürgermeister die Souveränität gefehlt, auf die er selbst Wert lege. Als Beispiel nennt er den Besuch von Schulkindern im Rathaus, die Unterschriften für den Erhalt des Freibads gesammelt hatten. Das Stadtoberhaupt nahm die Mappe zwar in Empfang, wollte sich aber den Klassenkameraden, die mit Protestplakaten vor dem Rathaus standen, nicht stellen. „Da wäre mehr Aufmerksamkeit geboten gewesen“, sagt er jetzt. „Das hätte so nicht passieren dürfen – aber ich bin eben auch keine Maschine.“

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