Wie das alles angefangen hat, das weiß der Burhaver, der hinter dem Deich geboren wurde, aufwuchs und noch heute in seinem Elternhaus am Deich lebt, ganz genau. Sein Vater hatte das Haus am 1. Mai 1912 gekauft. Drei Tage später heiratete er seine Frau Elise, eine gebürtige Eckwarderin. Zu den ersten gemeinsamen Anschaffungen gehörte das Abonnement der Butjadinger Zeitung.
Werner Stührenberg wurde 1922 geboren und wuchs mit drei Geschwistern am Deich auf. Sein Vater war Stellnetzfischer und betrieb nebenbei – wie so viele Familien damals – eine kleine Landwirtschaft. 1928 begann Heino, Werner Stührenbergs älterer Bruder, mit dem Austragen der Butjadinger Zeitung. „Wir konnten uns als Kinder ein gutes Taschengeld verdienen“, erinnert sich der 90-Jährige.
Dannn ging’s mit dem Fahrrad zurück an den Deich, wo er 40 Exemplare verteilte: Am Burhaver und Sillenser Deich, in Isens, Sillens und in der Wisch. Für die 15 Kilometer lange Tour brauchte er anderthalb Stunden. Jeden Tag, bei Regen, Sturm und Schnee. Das Abo kostete damals monatlich 2,10 Mark und wurde von den Zustellern kassiert. Dazu kamen 50 Pfennige Zustellkosten, die der Zeitungsbote behalten durfte. Bei 40 Exemplaren ergab das 20 Mark im Monat. „Das war eine Menge Geld für uns“, erinnert sich Werner Stührenberg.
Nach der Schule bekam Werner Stührenberg Arbeit auf einem Kutter in Burhaversiel, wechselte nach drei Jahren nach Fedderwardersiel. 1939 wurde die dort beheimatete Flotte, rund 15 Kutter, inklusive Besatzung von der Marine eingezogen und nach Emden verlegt. Von dort aus ging es nach Frankreich. „Wir sollten Truppen für die Invasion von England transportieren“, wurde dem damals 17-Jährigen gesagt. Doch dazu kam es nicht – also ging es zurück nach Butjadingen: „Was waren wir froh.“
Aber nicht lange. Die Fischer wurden zur Marine eingezogen und in Belgien ausgebildet. Werner Stührenberg kam nach Norwegen, blieb aber von Kampfhandlungen weitestgehend verschont. Im März 1945 wurde er nach Swinemünde verlegt, wo sein Schiff Flüchtlinge an Bord nahm. Nach einigen Irrwegen landete der Butjenter in Kiel und machte sich nach der Entlassung auf den Heimweg. Als er im August 1945 mit der Butjenter Bahn in Burhave ankam, nahm ihn sein Vater am Bahnhof in Empfang.
Werner Stührenberg machte sein C-Patent, musste wegen einer Erkrankung aber Abschied nehmen von Fischerei und Seefahrt, arbeitete eine Weile im Deichbau, ehe er 1958 bei Weserflug anfing, wo er bis zum Rentenbeginn arbeitete. 1947 heiratete er und gründete mit seiner Frau Rosemarie im Elternhaus einen eigenen Hausstand – mit kleiner Nebenerwerbslandwirtschaft.
Die Kreiszeitung Wesermarsch als Nachfolgerin der Butjadinger Zeitung gehörte ab 1949 sozusagen wieder zur Familie. Werner Stührenberg will vor allem wissen, was in Nordenham und Butjadingen los ist. „Ich war immer bestens informiert und habe mich nie geärgert. Ich bin zufrieden mit meiner Zeitung“, sagt der 90-Jährige, für den die Morgenlektüre zur festen Prozedur geworden ist: Tasse Tee, eine Stunde Zeitung lesen. Und dann geht’s nach nebenan, wo Tochter Lony mit dem Frühstück wartet.
Für Werner Stührenberg beginnt jeder Morgen mit dem Lesen der Kreiszeitung Wesermarsch. Seine Familie hält die Heimatzeitung bereits seit 100 Jahren. Foto rade

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