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Neuer Perso ohne Mehrwert

Berlin. Schon bald werden die ersten neuen Personalausweise mit einem elektronischen Chip ausgestellt. Die Debatte darüber hält aber weiter an. Vier wissenschaftliche Studien im Auftrag des Innenministeriums kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.

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Am 1. November löst der neue Personalausweis mit elektronischer Identitäts- und Signaturfunktion den bisherigen Ausweis ab. Gut zwei Wochen vor Einführung des neuen Personalausweises haben Wissenschaftler die Software für den Identitätsnachweis kritisiert. Foto dpa

Gut zwei Wochen vor Einführung des neuen Personalausweises haben Wissenschaftler die Software für den Identitätsnachweis kritisiert. Außerdem rieten sie von der Verwendung des einfachen Kartenlesegeräts ab, mit dem Daten auf dem integrierten Chip des Ausweises ausgelesen werden. Zwei entsprechende Studien im Auftrag des Bundesinnenministeriums wurden gestern in Berlin vorgestellt. Gute Noten erhielt das Ausweis-Projekt in zwei weiteren Studien zur Verschlüsselungstechnik und hinsichtlich der Haftungsrisiken für Verbraucher.

Mangelhafte Bedienung

Experten des Hasso-Plattner-Instituts an der Universität Potsdam bemängelten, die Bedienung der „AusweisApp“ sei in der bisherigen Testversion „kaum intuitiv“. „Das könnte man durch die Gestaltung der Oberfläche verändern“, sagte Institutsleiter Christoph Meinel und fügte hinzu: „wie man es gewohnt ist von vernünftigen Programmen“. Er schlug vor, den neuen Ausweis zusammen mit einem „Starterpaket“ mit allen nötigen Zutaten auszuhändigen. Die Forscher erklärten außerdem, dass für die Verbraucher kaum ein Mehrwert des elektronischen Ausweises erkennbar sei.

Wissenschaftler am Institut für Internet-Sicherheit der Fachhochschule Gelsenkirchen kamen zum Ergebnis, dass die Identifizierung mit dem elektronischen Personalausweis im Vergleich zur herkömmlichen Authentifizierung mit Passwörtern ein höheres Sicherheitsniveau aufweist. Allerdings müsse davon ausgegangen werden, dass viele Personal Computer in Deutschland nicht umfassend genug gegen Schadsoftware gesichert seien. Deshalb könne nur der Einsatz eines höherwertigen Lesegerätes mit eigener Tastatur empfohlen werden.

In einer weiteren Studie untersuchten Experten der Technischen Universität Darmstadt die Verschlüsselung der Daten auf dem Ausweis- Chip. Dabei seien keine kryptographischen Schwächen festgestellt worden, erklärte Marc Fischlin und fügte hinzu: „Die verkürzte Darstellung, dass der Personalausweis unsicher sei, teilen wir nicht.“

Der neue Ausweis erfüllt drei verschiedene Aufgaben: Erstens die bisherige Ausweisfunktion gegenüber Behörden, zweitens eine sichere Identifizierung der eigenen Person im Internet und drittens die Möglichkeit für eine elektronische Signatur digitaler Dokumente. Der Inhaber des neuen Ausweises kann auf die zweite und dritte Möglichkeit verzichten, die dann nicht freigeschaltet oder gar nicht erst eingerichtet wird.

Alter Personalausweis bleibt weiter gültig

Die bisherigen Personalausweise bleiben bis zum Ablauf der angegebenen Frist gültig. Bei neuen Anträgen für das Dokument wird ab 1. November ein Ausweis mit einem integrierten Chip ausgestellt, für eine Gebühr von 28,80 Euro. Der Chip speichert alle auf dem Dokument aufgeführten Personendaten, das Lichtbild sowie auf freiwilliger Basis auch einen Fingerabdruck.

Artikel vom 16.10.10 - 07:00 Uhr
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