
Gut zwei Wochen vor Einführung des neuen Personalausweises haben Wissenschaftler die Software für den Identitätsnachweis kritisiert. Außerdem rieten sie von der Verwendung des einfachen Kartenlesegeräts ab, mit dem Daten auf dem integrierten Chip des Ausweises ausgelesen werden. Zwei entsprechende Studien im Auftrag des Bundesinnenministeriums wurden gestern in Berlin vorgestellt. Gute Noten erhielt das Ausweis-Projekt in zwei weiteren Studien zur Verschlüsselungstechnik und hinsichtlich der Haftungsrisiken für Verbraucher.
Wissenschaftler am Institut für Internet-Sicherheit der Fachhochschule Gelsenkirchen kamen zum Ergebnis, dass die Identifizierung mit dem elektronischen Personalausweis im Vergleich zur herkömmlichen Authentifizierung mit Passwörtern ein höheres Sicherheitsniveau aufweist. Allerdings müsse davon ausgegangen werden, dass viele Personal Computer in Deutschland nicht umfassend genug gegen Schadsoftware gesichert seien. Deshalb könne nur der Einsatz eines höherwertigen Lesegerätes mit eigener Tastatur empfohlen werden.
In einer weiteren Studie untersuchten Experten der Technischen Universität Darmstadt die Verschlüsselung der Daten auf dem Ausweis- Chip. Dabei seien keine kryptographischen Schwächen festgestellt worden, erklärte Marc Fischlin und fügte hinzu: „Die verkürzte Darstellung, dass der Personalausweis unsicher sei, teilen wir nicht.“
Der neue Ausweis erfüllt drei verschiedene Aufgaben: Erstens die bisherige Ausweisfunktion gegenüber Behörden, zweitens eine sichere Identifizierung der eigenen Person im Internet und drittens die Möglichkeit für eine elektronische Signatur digitaler Dokumente. Der Inhaber des neuen Ausweises kann auf die zweite und dritte Möglichkeit verzichten, die dann nicht freigeschaltet oder gar nicht erst eingerichtet wird.
