
Ein schweres Thema, das sich der amerikanische Dramatiker da in seinem 1991 uraufgeführten Stück vorgeknöpft hat. Es geht ums Sterben, ums Loslassenkönnen, um die Bilanz eines Lebens. Doch die Bremerhavener haben keine Angst vor dem gewichtigen Stoff. Regisseur Markus Röhling verlässt sich zu Recht ganz auf seine glänzend aufgelegten Darstellerinnen. Zudem kitzelt er auch die leichten Momente aus dem ernsten Drama heraus.
Der Autor breitet nicht nur das Schicksal seiner Adoptivmutter vor uns aus, sondern stellt grundsätzliche Fragen: Gibt es ein richtiges Leben im falschen? Wie funktioniert Erinnerung? Albees Heldin, der Einfachheit halber nur A genannt, muss sich in zwei völlig unterschiedlichen Akten behaupten. Der erste scheint ganz wirklich, der zweite kippt ins Irreale.
Zunächst führt der Dramatiker die alte Frau mit all ihren Macken und Wehwehchen vor. In ihrem einst prächtigen Schlafzimmer (Ausstattung: Eckhard Reschat), das irgendwann im vergangenen Jahrhundert einmal modern war, sitzt die 91-Jährige an ihrem Lieblingsplatz, ein Plaid umhüllt ihre Beine. Sie hat sich wie zum Ausgehen aufgetakelt. Doch weiter als bis zur Toilette und zum Bett kommt sie nicht mehr.
Ihre Stimmungen schwanken extrem. Mal macht sie sich über die junge Rechtsanwaltsgehilfin, die unbedingt Papiere ordnen will, lustig, mal quengelt sie, weil sie ohne Gehhilfen laufen möchte oder sich nicht daran erinnern kann, wie die Geschichte weitergeht, die sie erzählen wollte. Klare und nicht so klare Momente wechseln sich ab. Christine Dorner überzeugt als A in jeder Sekunde, vollzieht blitzschnell den Wechsel von Himmel hoch jauchzend hin zu zum Tode betrübt. Keine Frage, dies ist der Triumph der alten Dame.
Vollends zur schwarzen Komödie wandelt sich die Geschichte im zweiten Akt. Die Gesetze von Zeit und Raum sind nun außer Kraft gesetzt, eine andere Dimension wird aufgefächert. Einzig der Sohn von A (sehr präsent in seiner stummen Rolle: José Martinez Grau) klammert sich ans Reale, sieht nicht die Seelen, die sich um ihn herum versammelt haben.
Die drei Frauen verschmelzen zu einer Person. A, B und C, die die verschiedenen Lebensalter von A verkörpern, ringen miteinander: Die Junge rebelliert, will das vorgezeichnete Gleis verlassen. Die Alte wirft ihr Naivität vor, die 50-Jährige steht irgendwo dazwischen. Den Sinn des Lebens muss schon jede für sich selbst finden. Die Zuschauer jedenfalls treibt am Ende die bange Frage um: Was ist eigentlich aus den Träumen von einst geworden?
Karten: Zwischen 5,60 und 11,90 Euro unter 04 71/4 90 01

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