„Unser Einzugsgebiet umfasst das Weser-Ems-Gebiet zwischen den Nordseeinseln und dem Münsterland, der holländischen Grenze im Westen und der Weser im Osten“, berichtet der Pfarrer und Pädagoge, dessen Einrichtung von der Evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg und dem Offizialat Vechta finanziert wird.
Berichte der Krankenkassen von einem Anstieg bei psychischen Erkrankungen bestätigen sich bei den Anrufern. „Wir konnten seit einigen Jahren einen deutlichen Anstieg feststellen. Ihr Anteil liegt mittlerweile bei mehr als 20 Prozent“, berichtet Gerd Schmidt-Möck. Außerdem stellt er fest: „Einsamkeit in unserer Gesellschaft nimmt zu.“
Die Gespräche um wirtschaftliche Fragen, um Ausbildungs- und Arbeitsplatzsorgen verzeichnen ebenso eine steigende Tendenz. Dagegen nehmen die Anrufe wegen Partnerschaftsproblemen ab, liegen aber mit 17 Prozent noch an zweiter Stelle der Themenliste. Einsamkeit, Krankheiten, Sexualleben, Familie und Verwandte sind ebenfalls häufig wiederkehrende Gesprächsthemen.
Zwei Drittel der Anrufer, die anonym bleiben können, sind Frauen. „Das ist seit Jahren unverändert“, bestätigt Gerd Schmidt-Möck. Die meisten Anrufer sind zwischen 40 und 49 Jahre als, gefolgt von den 50- bis 59-Jährigen.
Die ehrenamtlichen Mitarbeiter arbeiten unentgeltlich, ohne Aufwandsentschädigung und Fahrkostenerstattung. Sie teilen sich den Dienst an 365 Tagen rund um die Uhr. Jeder von ihnen übernimmt zwei Fünf-Stunden-Schichten pro Monat und einmal im Vierteljahr eine Nachtschicht. Um optimal auf die Anrufer vorbereitet zu sein, sind sie zu regelmäßiger Supervision und Fortbildung verpflichtet.
Neue Mitarbeiter müssen eine 16-monatige Ausbildung absolvieren, die 120 Unterrichtsstunden und 60 Stunden Selbsterfahrung umfasst. Neben der Gesprächsführung werden Themen wie Einsamkeit, psychische und physische Erkrankungen, Trauer und Partnerschaftsprobleme, Suizidalität, Sexualität sowie wirtschaftliche Fragen besprochen.
Besonders hoch seien die Belastungen durch die Anrufe ohne eigentliches Gespräch, sogenannte Schweigeanrufe. Aber auch die vielen Test- und Scherzanrufe von Kindern und Jugendlichen seien eine Belastung.
Nicht wenige Anrufer erwarten konkrete Ratschläge und Hinweise. Andere möchten sich aussprechen, erzählt Gerd Schmidt-Möck. „Und es gibt jene, die sich manchmal über Jahre begleiten lassen und für die wir der einzige Ansprechpartner sind.“
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