Was sie damit meint, kann sich jeder denken, der am Donnerstag auf dem Konzertgelände am Boitwarder Groden war. Am Abend brauchten die Fans, anders als am Nachmittag, nicht eineinhalb Stunden, sondern nur knapp 45 Minuten auf DSDS-Finalist Menowin Fröhlich warten. Aber auch dieser Auftritt wiederum war nach nur rund 25 Minuten Halbplayback-Show vorbei.
Kurz vor dem – vereinbarten – Konzertbeginn am Abend wird klar: Die erwarteten mehrere tausend Fans sind nicht gekommen. „Jeweils 350 Zuschauer am Nachmittag und am Abend“, hat Polizeihauptkommisar Frank Riese, Leiter des Einsatz- und Streifendienstes, geschätzt. „Und das ist schon hochgegriffen.“ Die Begründung von Simone Schneider: „Aufgrund der Presseberichte nach einem Auftritt im sächsischen Schneeberg sind Tickets storniert worden.“ Auch an der Tageskasse sei nicht mehr viel dazugekommen, räumt sie ein.
Das abendliche Konzert unterscheidet sich kaum von dem am Nachmittag. Rund 25 Minuten steht Menowin Fröhlich auf der Bühne und spult sein Programm vom Nachmittag ab. Nur ein anderes T-Shirt hat er an. Bevor Menowin den Song „Billy Jean“ singt, schmeißt er sein weißes Frotteehandtuch, mit dem er sich zuvor den Schweiß von der Stirn gewischt hat, in die Menge. Prompt streiten sich zwei weibliche Fans darum. Da unterbricht er das Lied und ruft: „Gewalt hat hier nichts zu suchen“. Die Frauen beruhigen sich, Menowin singt weiter. Es gibt sogar eine Zugabe: Stevie Wonders „You are the Sunshine of my Life“.
„So ist das nun einmal bei einem Star“, verteidigt Katja Beiermeister, die aus Frankfurt anreiste, die erneute Unpünktlichkeit ihres Lieblings. „Einen Menowin Fröhlich liebt man oder man liebt ihn nicht“, ergänzte Sinem Tasmann aus Wiesbaden. Ähnlich sah das Simone Einhardt (40) aus Berlin: „Sein Gesang ist so toll.“ Das lange Warten kommentieren sie und ihre Mutter Gudrun (68) mit: „Na und?“.
Mit der Presse steht Menowin auf Kriegsfuß. „In den Berichterstattungen heißt es, dass ich meine Kinder verhungern ließe und ich drogensüchtig wäre“, kritisiert er Berichte über ihn. Aber keiner würde darüber reden, was er schon geleistet habe. Seinen Fans verspricht er, dass bald ein eigener Song auf den Markt kommt. Danach soll es eine Tour geben.
Wenngleich Menowin Fröhlich zugesagte Interview-Termine an diesem Tag platzen ließ, nahm er sich nach dem Konzert Zeit für Autogrammwünsche. Eine Stunde lang fragt er einen Fan nach dem anderen nach dem Namen, wechselt ein paar Worte und lässt sich geduldig mit allen fotografieren. Bei der Aftershow-Party dagegen ließ sich Menowin nur auf der gesicherten Bühne sehen. Ohne Worte setzt er am DJ-Mischpult die Kopfhörer auf und hantiert an den Reglern. Die meisten seiner Fans sind dennoch glücklich, auch ohne Worte. (td/kan)
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