Jede Sekunde zählt: Flott müssen die Spezialisten von Eurogate Technical Services sein, wenn sie einen gut 15 Meter hohen Van Carrier im Terminal reparieren. Diese Störungsbeseitigung hat schon etwas Ähnlichkeit mit dem Zeitdruck beim Boxen-Stopp auf Rennkursen. Doch Zeit ist im Hafen Geld, und ein Van Carrier kostet eine Dreiviertelmillion Euro. 251 davon sind an der Stromkaje im Einsatz. Gerald Kistner
Jede Sekunde zählt: Flott müssen die Spezialisten von Eurogate Technical Services sein, wenn sie einen gut 15 Meter hohen Van Carrier im Terminal reparieren. Diese Störungsbeseitigung hat schon etwas Ähnlichkeit mit dem Zeitdruck beim Boxen-Stopp auf Rennkursen. Doch Zeit ist im Hafen Geld, und ein Van Carrier kostet eine Dreiviertelmillion Euro. 251 davon sind an der Stromkaje im Einsatz. Gerald Kistner
Über Funk meldet sich ein Fahrer. Sein Van Carrier stottert irgendwie. Sofort rückt das Reparaturteam zum vereinbarten Treffpunkt auf dem riesigen Gelände des Containerterminals aus. Doch der Spezialist ahnt schon, was los ist. Der Treibstofffilter ist verstopft. In diesen Tagen passiert das häufiger. Eiskristalle, die sich in den großen Tankanlagen bilden, setzen den Filter zu.
1400 Liter fassen die Tanks der Van Carrier. Stündlich verbrauchen sie je nach Einsatz 18 bis 20 Liter, weil die Fahrer um sparsame Fahrweise bemüht sind. Sonst wären es noch mehr.
Zuständig für die Wartung der Van-Carrier-Flotte ist Eurogate Technical Services. Das Unternehmen bietet diese Dienstleistungen allen Umschlagunternehmen wie MSC, Eurogate, NTB und BLG an. Diese Zusammenfassung ist für alle Betriebe wirtschaftlicher, wobei mit der großen Nummer und dem jeweiligen Firmen-Logo unterschieden wird, für wen welcher Van Carrier fährt, unterstreicht Geschäftsführer Uwe Wolf.
So können die Van Carrier mit ihrem Stückpreis von etwa 750 000 Euro gemeinsam beschafft und gewartet werden. Acht bis zehn Jahre hält ein solches Gerät im Schnitt, erläutert Fahrzeugtechnik-Leiter Heinz Wiebusch. Dabei ist so ein Fahrzeug, das auf dem Terminal absolute Vorfahrt hat, ein technisches Wunderwerk, das zu seiner Wartung Spezialisten braucht. Ein Mechatroniker, wie Kfz-Mechaniker heute heißen, wäre damit überfordert, erläutert Wiebusch. Daher bildet Eurogate auch selbst aus. Kfz-Mechaniker müssen ohnehin eine zweijährige Zusatzqualifikation absolvieren, um fit in der Diagnose, Wartung und Reparatur dieser Spezialfahrzeuge zu sein. Für den neuen Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven wird bereits das Wartungspersonal für die Van Carrier und Spezialfahrzeuge in Bremerhaven ausgebildet.
251 sind auf dem Terminal stationiert, etwa 210 sind aktuell im Einsatz, weil man einige Fahrzeuge durch den geringeren Containerumschlag vorläufig aus dem Verkehr gezogen hat.
Elektrisch werden die Radmotoren und die Hydraulik des Greifers gesteuert. Man braucht zur Wartung also nicht nur Kfz-Mechaniker, sondern auch Elektriker, Hydraulikspezialisten und Computer-Fachleute, denn die Motorensteuerung und -Regelungen sowie die Überwachung erfolgt digital. So funktioniert auch die Übertragung der Daten für die Aufträge und die Standortermittlung.
In der schallisolierten Kabine (Wolf: „Das ist eine eigene Entwicklung für unseren Standort, den wir mit den Fahrern und unseren Mitarbeitern vorgenommen haben“) laufen diese Daten über Bündelfunk ein. Gesprochen wird von den Fahrern nur bei Störungen mit der Werkstatt, alles andere läuft über Datenfunk. Da es den Fahrern zu still war, wurden jetzt auch Radios eingebaut.
Schwindelfrei müssen die Mechaniker schon sein, wenn sie die Van Carrier warten wollen. Der Diagnosestecker befindet sich in der Fahrerkabine, und die ist in zwölfeinhalb Metern Höhe. In der Werkstatt helfen aber auch Steiger bei der Arbeit.
72 Tonnen wiegt jeder Van Carrier. Außer bei Störungen, die auf dem Terminal beseitigt werden, fahren die 15,4 Meter hohen Fahrzeuge zur Wartung die eigenen Werkstatthallen an.
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